Kronos_2003

Ein Sturm auf dem Meer

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Es ist ein schöner Winternachmittag. Die Luft ist kalt aber klar. Ein kleiner Junge, vielleicht acht Jahre alt, sitzt einsam auf einem Acker. Die Feldfrüchte sind längst geerntet, die Bäume stehen ohne Laub. Nur das Meer scheint wie eh und je. Ruhig und klar. Zu Ruhig, würde mancher Festlandbewohner meinen und mit den Augen in Richtung der dunklen Wolken am nördlichen Horizont wandern, doch für die Einwohner des Freistaats Klippenfels ist dies nicht ungewöhnlich. „Der Sturm holt Luft“ sagt man hier nur und zuckt mit den Achseln. Ein alter Seebär grinst, ob der scheinbar unbegründeten Sorge des Landeis. Doch nichtmehr lange.

Es ist Abend geworden. Die Sonne verschwindet gerade hinter dem Meer. Die dunklen Wolken sind näher gerückt. Ein Soldat der Stadtwache von Küstenfels wirft einen letzten Blick auf die Sturmfront bevor er sich ins Innere des Turms zurückzieht, es ist Zeit die Tore für die Nacht zu schließen. Danach ist für ihn Dienstschluss. Er hat Mitleid mit seinen Kameraden, die die Nacht über auf der Mauer bleiben müssen, doch ist er froh, den Sturm in seinem warmen Haus, bei seiner Frau und ihrem kleinen Sohn verbringen zu können. Durch die Hafeneinfahrt retten sich noch einige Nachzügler vor Wind und Wellen. Die See ist unruhig geworden.

Vor einigen Stunden ist die Nacht hereingebrochen. Eigentlich wäre Vollmond, doch dank der Wolken ist es stockfinster. Der Wind peitscht durch die Gassen, der Hagel hämmert auf die Dächer. Blitz und Donner tanzen umeinander. Niemand ist mehr auf den Straßen, selbst die Ratten haben sich in ihre Löcher zurückgezogen. Für Obdachlose hatte die Stadt schon vor Jahrzehnten Sturmbunker anlegen lassen, denn Stürme sind hier keine Seltenheit, doch heute Nacht, sollten sie nicht reichen. Fairer Weise ist allerdings anzumerken: in dieser Nacht, sollte kaum eine Unterkunft reichen.

Die Uhr zeigt Mitternacht, sofern sie sich hinter dicken Mauern befindet, denn alles andere bricht zusammen. Dachziegel wirbeln durch die Luft, Holz liegt zersplittert auf den Straßen. Die Farbe ist längst von den Wänden gewaschen worden. Niemand hat so etwas jemals gesehen oder davon gehört, doch dieser Sturm spottet auch jeder Beschreibung. Die ganze Nacht wütet er über dem Inselreich und erst in den frühen Morgenstunden wird es wieder ruhiger. Küstenfels ist eine Ruinenlandschaft. Mehr noch, ganz Klippenfels liegt in Trümmern. Viele haben ihr Leben verloren, noch mehr sind spurlos verschwunden.

Doch kein verschwinden erregt so viel Aufmerksamkeit wie das des Stadtherren. Am Vorabend des Sturmes schloss sich das Tor zu seiner Behausung. Ein altes, festungsartiges Gebäude mit dicken Mauern, kaum Fenstern und einem hohen Turm. Es sind nun 3 Wochen vergangen seit dem Sturm, doch das Tor hat sich nie mehr geöffnet. Die Tür aufzubrechen scheint unmöglich. Mehr als eine arme Seele versuchte die Mauern zu erklimmen und über ein Fenster einzusteigen doch alle stürzten in ihren Tod. Ein Gegrüßt, errichtet, um ein nebenstehendes Haus zu reparieren, brannte ab, scheinbar, weil man von dort durch ein Fenster hätte Blicken können. In den Straßen gilt es schon als Tatsache, dass das Anwesen verflucht sei. Viele glauben gar, der Stadtherr selbst hätte die Katastrophe über das Land gebracht. Andere sind sicher, es wäre die Strafe des Sturmvaters, für begangene Sünden, Moralverfall oder mangelnden Glauben. Doch die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen.

Mein Name ist Hadrian, früher mag ich ein Handelsmeister gewesen sein, der Kopf einer mächtigen Kaufmannsfamilie, vielleicht war ich aber auch ein Soldat der Marine, vielleicht war ich bloß ein Fischer oder ein Bauer aus dem Umland, es ist nichtmehr wichtig. Wichtig ist, ich bin einer von Wenigen, Teil einer kleinen Gruppe, Teil Jener, die überlebt haben. Meine alte Heimat ist zerstört, viele meiner Freunde verschwunden, ich stehe zwischen den Trümmern, doch hebe ich den ersten Stein, einen besonderen Stein, einen Stein der einmal ein Fundament sein soll, nicht nur ein Fundament für die Hafenanlage, die er tragen wird, sondern ein Fundament für den Wiederaufbau, ein Fundament für Wachstum und neue Größe. Die Welt ist nicht Untergegangen in jener Nacht. Kaum jemand im Rest der Welt, ob im Thronreich oder im Senat, hat überhaupt einen Windhauch des Sturmes gespürt, der hier wütete. Für uns mag er gigantisch gewesen sein, doch im großen Gefüge der weiten Welt war er kaum eine Brise. Die Welt dreht sich weiter, die Sonne scheint wieder und die Vögel fliegen, jagen die Fische im Meer. Der Freistaat Klippenfels soll neu errichtet werden um den Stürmen der Zukunft Stand zu halten.



OOC: Eine kleine Geschichte um einige Dinge zu erklären, wie zb. die Abwesenheit unseres Stadtherren, sowie einige, damit verbundene lose RP-Stränge abzuschließen und um als Basis für einige mögliche CBs zu dienen. Und natürlich um die Welt ein wenig bunter zu gestalten.

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*pfeift* Zugabe!

Kompliment an dich Kronos! Wunderbar geschrieben.

Schön auch mal etwas über die Hintergrundgeschichte von Küstenfels zu erfahren.

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