Thalizia

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    Tiriana

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About Thalizia

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    Novize
  • Birthday 01/29/1986
  • RP Name:Tiriana Arandur
  • RP Volk:Mittelländer
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ERRUNGENSCHAFTEN

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  1. Als Skali vom Heuboden der Scheune zurückkehrte waren die Blicke aller Abwesenden auf sie gerichtet, doch sie blickte nur betrübt in die Runde und schüttelte wortlos den Kopf und setzte das Tablett mit der unberührt Mahlzeit auf einer Kiste ab. „Wieder nichts?!“ fragte Ajali. Besorgnis lag in ihrer Stimme. Skali schüttelte erneut den Kopf. „Nachdem das kleine Mädchen gestorben ist, hat sie ausreden gesucht, aber seid ihrem Zusammentreffen mit dem Alben Arthoras und der persönlichen Besprechung mit dem Ratsherrn Buchenbach hat sie garnichts mehr gesagt… sie sitzt dort oben auf einem Strohballen und schaut einfach nur mit starrem Blick in den Regen hinaus…“ „Gib mir das mal her!! Auch wenn sie die Löwin von Aspio ist, sie muss essen! Launisches Weib!“ knurrte Denethor und stützte sich mit den Armen auf die Oberschenkel um auf zu stehen. Doch Kirios der neben Skali gesessen hatte, war bereits aufgestanden und zur Treppe gegangen. „Lasst gut sein Meister Denethor, ich gehe zu ihr… Ich will euch nicht beleidigen, doch ihr besitzt so viel Empathie und Feingefühl wie eine Dose rostiger Nägel. Lasst mich mit ihr reden!“ Kirios lächelte charmant und stieg dann die Treppen hinauf. „Elender Halunke… will sich doch nur wieder ran schmeißen!“ knurrte Denethor leise, als Kirios am Treppenabsatz verschwunden war. Skali blickte Denethor nachdenklich an. „Er ist ihr gegenüber sehr fürsorglich und einfühlsam, ich glaube er fühlt sich ihr eher verbunden, wie es Geschwister tun… Schließlich sind die beiden ja auch Verwandte...“ Denethor stieß ein verächtliches Geräusch aus. „Mir is völlig egal, was er in ihr sieht… er soll seine Finger von ihr lassen!“ brummte er. Über die Gesichter der Zwillinge zog sich ein Grinsen. „Bist du etwa eifersüchtig auf Kirios?“ fragte Ajali mit gehässigen Unterton. „Vielleicht hättest du dann nicht so ruppig zu ihr sein sollen in Aramat zuletzt?! Frauen wollen umschmeichelt werden!“ fügte Skali hinzu und die Zwillinge lachten. Denethors Gesichtsausdruck wurde noch grimmiger. „Naja, verdenken kann ich es dir nicht, mein Freund… wenn du dich in sie verguckt hast?“ sagte Maldur und klopfte Denethor gönnerhaft auf die Schulter. „Sie ist hübsch und ihre…“ er formte die Hände rundlich vor seiner Brust… „Sehen ganz und gar entzückende aus!“ „Schluss mit dem Unfug! Wer hat euch denn solche Hirngespinste in die Köpfe gesetzt!“ bellte Denethor und sah mit vor Wut funkelnden Augen in die Runde. Er erhob sich von der Kiste, die ihm als Stuhl gedient hatte und griff nach seinem Mantel. „Wo willst denn nun hin?! Wir sind noch mitten inner Runde!“ fragte Maldur und deutete auf die Spielkarten, die auf einem Fass vor ihm lagen. „Pissen...“ knurrte Denethor zurück und verließ die Scheune. Draußen zog er sich die Kapuze seines Umhangs über den Kopf und ging an der Scheuenwand entlang bis zum Unterstand der Pferde. Die Luft draußen war zwar kühl, tat jedoch gut. Er trat ein seinen Rappen heran und strich dem Tier einmal am Hals entlang. „Braver Junge…“ sagte Denethor leise. Drinnen hörte er seine Gefährten lachen. „Dummes Volk, da drinnen! Eifersüchtig… verguckt in die Herrin?! Bei Durae! Was ein Quatsch!“ zischte er leise dem Rappen zu, während er noch eine Hand voll Karotten an das Tier verfütterte. „Es war damals ein kühler, verregneter Tag gewesen genauso wie heute… hab besoffen inner Gasse des Handwerksviertel gelegen und Prügel von Wirt der Taverne Duraes Einkehr bezogen, weil ich versucht hatte die Zeche zu prellen…. Ich sag dir Gaul, das waren noch Zeiten damals! Der alte Haudegen hat einen verdammt guten linken Haken!“ Er klopfte dem Tier sachte gegen die Seite. „Kann mich nicht mehr gut daran erinnern, aber Plötzlich war sie da, die Herrin… hat den Wirt angeschnauzt, das er mich noch zu Tode schlägt… Ich sags dir, wenns sein muss kann die Herrin wirklich brüllen wie ein Löwe!“ Ein leises Lachen entfuhr ihm. „Die Stadtwache hat mich dann inne Zelle gesteckt zum ausnüchtern…. Dort hin kam sie… meinte ich hätte mich im Kampf mit dem Wirt gut geschlagen… wollte, das ich in ihre Garde eintrete... Söldner im Dienste Aspios werde… ein verlauster Säufer wie ich…? Kannst du dir das vorstellen Gaul?“ er lehnte sich an den Zaun… „Beim ersten Auftrag hätte ich es fast versaut… aber auch da hat sie mich verteidigt…. hab sie da zum ersten Mal mit dem Herzog zusammen gesehen… und es verstanden…“ Denethors Blick wanderte zum Wolkenverhangenen Himmel… Der Rappe wieherte laut… Denethor warf dem Tier einen verächtlichen Blick zu. „Lach nicht so blöd Gaul, was is falsch an dem Wunsch dieses Mädchen zu beschützen?! Ich verdanke ihr alles, jeder der der Wilden Garde angehört tut das… hat das Herz am richtigen Fleck… will das sie Glücklich wird an seiner Seite… darum werd ich keinen anderen Kerl als den Herzog an ihrer Seite akzeptieren!“ Das Pferd trat ein paar Schritte auf ihn zu und stupste ihn an. „Ich werd auf sie aufpassen…. Egal, was ich dafür tun muss…“ er strich dem Tier noch einmal wohlwollend über den Nüstern und wollte sich grade wieder auf den Weg nach drinnen machen als er eine Gestalt im Dickicht erblickte. Wortlos blickten sie einander an. Dann sah er wie die Gestalt einen Bogen spannte! „Denethor pass auf!“ hörte er den schrei der Löwin durch das Lager schallen. In dem Moment sauste auch schon ein Pfeil an ihm vorbei und schlug in das an der Scheunenwand gestapelte Feuerholz ein. Aus dem Augenwinkel sah er wie die Gestalt zusammenfuhr und davon rannte, er blickte hoch und saß die Löwin, die das Seil des Lastenkrans ergriff, daran herunter sauste und wie eine Furie der Gestalt in den Wald folgte. Perplex sah der Mittelländer der Löwin noch einen Moment lang hinterher, doch dann realisierte sein Verstand was soeben geschehen war. „Bei allen Schattenwesen…“ knurrte er und rannte los. Die Löwin war schneller und durch ihre Zierlichkeit auch um einiges wendiger, sodass es ihm schwer fiel sie ein zu holen! „Löwin! Wartet! Kommt zurück! Halt!“ schrie Denethor so laut er konnte. Seine Schuhe rutschten auf dem weichen, regennassen Waldboden, Äste schlugen ihm entgegen, während er sich im Dickicht vorarbeitete, als er schließlich auf eine Waldlichtung hinausrannte und Tiriana mit gezogenen Waffen mitten auf der Lichtung stehen sah. „Herrin!“ rief er, zog sein Schwert und lief vor um zu ihr aufzuschließen, doch noch bevor er einen Schritt hatte tun können blickte sie über die Schulter zu ihm. „BLEIB ZURÜCK!“ brüllte sie. Doch er missachtet den Befehl und schloss zu ihr auf! „Verfluchter Idiot!“ keifte sie, in dem Moment hörte sie ein Rascheln vor sich, kurz entschlossen nahm sie ihren Dolch, wirbelte herum und versetzte Denethors rechtem Oberschenkel seitlich einen Schnitt. Er keuchte und stieß einen unterdrückten Schmerzenslaut aus, bevor sein Beim weg knickte und er mit Schmerzverzerrtem Gesicht auf die Knie ging. „Verzeih...“ haucht sie ihm zu und wollte in den Wald stürmen… um der Gestalt zu folgen. Denethor blickte auf, legte all seine Kraft in das linke Bein und sprang mit einem Hechtsprung nach vorn, sodass er grade noch Tirianas Bein zu fassen bekam. Die Löwin wurde von den Füße gerissen und stürzte auf dem vom Regen weichen Boden. Sie rappelte sich hoch und blickte mit funkelnden Augen Denethor an. „WAS SOLL DAS?!“ schrie sie. „Es flieht, Herrin… es hat niemandem geschadet… bei Nacht und diesem Wetter blind in die Wälder zu rennen ist Wahnsinn!?“ antwortete er und klammerte sich fest um ihr Bein. Tiriana schnaubte wild vor Wut. Ihr Blick fixierte Denethor. „NEIN! Ich befehle dir mich los zu lassen!“ keifte sie und versuchte sich aus Denethors Klammergriff zu befreien, doch was die Körperkraft betraf, war sie ihm schlicht unterlegen. „ES IST DOCH SCHON LANGE FORT!“ brüllte er, zog sich zu ihr hoch. „JA und das ist DEINE SCHULD!“ brüllte sie und versetzt ihm derartigen Faustschlag ins Gesicht, das ihr Fingerknöchel fies knacksten. Doch Denethor ließ sich nicht beirren und legte seine wuchtigen Arme um sie. „Ja es ist meine Schuld und meinetwegen prügelt mich zur Strafe grün und blau, aber lasst uns bitte… BITTE….. zu den anderen zurückkehrten.“ sagte er und drückte sie an sich. In dem Moment brachen die Dämme in Tiriana… die Schluchzte und klammerte sich an Denethor. „Warum hast du meine Befehl nicht befolgt, du dummer Kerl?!“ „Ich bin Denethor Tagal. Ich bin nicht verpflichtet den Gesetzen Aspios…. Ich beuge mich nicht dem Befehl des Herzogs Rivaas de Mathis! Ich bin Söldner er Wilden Garde von Aspio und nur verpflichtet meiner Herrin! Der Löwin von Aspio…“ er löste die Umarmung und grinste. „Auch wenn sie ein nörglerisches, launisches Weib ist! Auch wenn sie mir beflieht, ihr nicht weiter zu folgen und mir heimtückisch das halbe Bein aufschneidet… Ich schütze euch! So lange bis ihr zur Vernunft kommt!“ Tiriana berührten Denethors Worte. Denethor war ein rauer und oft ungehobelter Klotz, und was Launenhaftigkeit anbetraf, standen sich die beiden wohl in nicht nach. „Is ja gut, ich hab verstanden, und jetzt geh runter von mir du Wüstling!“ Sie gab ihm einen Schubs und Denethor kroch erschrocken ein Stück zurück. Als sie sich hochrappelten, verzog Denethor vor Schmerz das Gesicht und hielt sich das Bein. Tiriana trat an ihn heran. „Komm stütz dich auf mich...“ sagte sie. „Geht schon….“ brummte er und humpelte ein paar Schritte vorwärts bis er ein Ächzen ausstieß und sich gegen einen Baumstamm lehnte. „Oh ja, starker Mann… jetzt komm schon her!“ sie packte seinen Arm und zusammen machten sie sich auf den Weg in Richtung des Lagers. Tiriana fehlte jede Orientierung wie weit sie sich entfernt hatten zum Lager, doch sie war sich sicher in die richtige Richtung zu laufen. Nach einer Weile sah sie helle Punkte vor sich in der Dunkelheit und vernahm Rufe: „TIRIANA! DENETHOR! WO seid ihr?!“ Tiriana erkannte die Stimme. Es war Kirios. „Wir sind hier!“ antworte sie. Vor ihnen raschelte es und plötzlich stand der Fahlländer zusammen mit Maldur vor ihnen. „Durae sei Dank!“ stieß er aus. Sein Blick war besorgt und erleichtert zugleich. „Verzeiht mir…. Denethor is verletzt. Lasst uns schnell zurück gehen.“ sagte Tiriana. Auf dem Weg zum Lager berichtet Denethor den beiden in knappen Sätzen, was geschehen war. Als sie das Lager erreichten kamen auch schon Ajali und Skali herbeilaufen um sich um Denethors Wunde zu kümmern. Unwillkürlich fiel Tirianas Blick auf das gestapelte Feuerholz, wo noch immer der Pfeil stecke, an dem ihr Blick haften blieb… sie schritt darauf zu und zog den Pfeil aus dem Holz heraus… >> In diesem Winkel hätte der Pfeil ihn niemals treffen können… der Schuss ging mit Absicht vorbei….<< dachte sie…. Und drehte den Pfeil in der Hand. In den Pfeilschaft war etwas eingeritzt worden. Sie drehte sich in das Licht einer der Laternen und las: - Haben verstanden - Dann fiel ihr Blick auf das Wappen auf der Spitze des Pfeils…. Sie spürte wie der Zorn wieder in ihr hochstieg... Eilig schritt sie zum Scheunentor und riss es mit Wucht auf! Ihr Blick fixierte Denethor, der sich auf einer Kiste niederließ während Ajali sich neben ihn kniete um nach der Wunde zu sehen. „Ihr solltet euch was trockenes anziehen, Ajali kümmert sich sicher….“ sprach er während er den Blick zu ihr hob. Als er zu ihr sah verschlug es ihm die Sprache… Tirianas Blick war eiskalt. Unsicher grinste er. „Ich trag euch den Kratzer nicht nach, Löwin….“ sagte er. Doch an Tirianas Blick änderte sich nichts. Sie hob die Hand, die den Pfeil hielt und streckte ihn Denethor entgegen… „Erklär das!“ sagt sie. Ihre Stimme zittere vor Anspannung. Denethors Gesicht war förmlich anzusehen wie ihm das Herz in die Hose rutschte. „Nun… das ist… das…. Nun...“ stammelte er. „Das ist ein Pfeil mit dem Wappen Aspios…. Nur Mitglieder der Eiskalten Garde nutzen solche Pfeile...“ Tiriana zwang sich ruhig und langsam zu sprechen. Denethor holte Luft um etwas zu sagen, doch er brachte kein Wort heraus. Der erwartungsvolle Blick der Löwin lag auf ihm wie gewaltiger Felsbrocken. „Ich hab Rollo, Emilia und Björn bereits in Aramat durch die Gassen streifen sehen… Also sag mir was das hier zu bedeuten hat!!“ „Nun… ja… ich...“ begann Denethor. „NA LOS!“ brüllte sie. Denethor blickte grimmig auf den Boden vor sich. „Sie sind auf Befehl des Wolfes hier um auf euch acht zu geben… Ich habe ihnen Informationen gegeben über eure Pläne…“ antworte er. Betretenes Schweigen herrschte. Tiriana blickte zu Maldur, der unsicher ein grinsen versuchte und zu den Zwillingen die ihrem Blick auswichen. In dem Moment wurde Tiriana alles klar. „Ihr habt das alle gewusst?!“ sagte sie fassungslos und blickte von einem schuldbewussten Gesicht zum andern. „Ich war noch nie in meinem Leben so enttäuscht von Euch…“ sagte Tiriana. Denethor lachte. „Wieso?! Weil uns jedes Mittel recht ist, um unsere Herrin zu beschützen?! Jeder hier ist bereit alles dafür zu tun! Egal was es ist. Lügen, betrügen, Verrat? Jedem Mitglied der Wilden Garde ist jedes dreckige Mittel recht… jedes widerliche Verbrechen willkommen, solange es euch schützt! Diesen Willen wird nichts brechen! Egal wie lange und wie lautstark ihr dagegen rebelliert!“
  2. ~~oOo~~ Eine regnerische Nacht . . . ~~oOo~~ [~vorrangegangen~) Der Abend war noch recht jung als Tiriana Arandur und ihre beiden Begleiter Kirios Arandur und Denethor Tagal das Osttor Aramats stadteinwärts passierten. Denethor hob seinen Blick den tiefschwarzen Wolken entgegen, die den Himmel bedeckten…. „Regen...“ knurrte er… „Wieso, bei Durae, regnet es ständig in diesem Nest, das sich Hautstadt schimpft?!“ „Ich wusste gar nicht, das wir aus der Söldnerstadt Aspio Sonnenanbeter sind, die bei Regen den Schwanz einziehen?!“ Tiriana bedachte ihn mit einem höhnisch Blick. „Seid nicht grimmig, ich gebe Euch, wenn wir die Bastionstaverne erreichen auch einen Krug Bier aus!“ Kirios klopfte dem Schwertkämpfer aufmunternd auf die Schultern. „Es wird nicht gesoffen bei der Arbeit!“ raunzte Tiriana, die voran ging zu den beiden Männern. Denethors Blick wurde noch grimmiger, dann wandte er sich an Kirios. „Zu wem wollen wir überhaupt?!“ fragte er muffig, um keinen Hehl draus zu machen, das ihm dieser abendliche Ausflug im strömenden Regen gehörig stank. „Zu einem Freund.“ entgegnete Tiriana knapp bevor Kirios hatte antworten können. „Hat dieser Freund auch einen Namen?“ raunzte Denethor. „Ja!“ antworte die Löwin. Denethor wartet einen Moment ab, in dem glauben, sie würde den Namen nennen, doch sie ging einfach eilig weiter. „Interssant...“ gab er ihr schließlich zurück. „Und wo wohnt er?“ „Keine Ahnung?“ Denethor sah sie irritiert an. „Und wo finden wir ihn dann?“ Tiriana blickte ihn über die Schulter hinweg an: „Nun…. Ich hoffe in der Bastionstaverne...“ sagte sie. „… oder in einer der anderen Tavernen Aramats...“ fügte sie so leise hinzu, das Denethor sie nicht mehr verstand. Als die Gruppe die Bastionstaverne erreichte hob sich Denethors Laune für einen Moment. Wen auch immer die Löwin hier sprechen wollte… es würde sicher eine Weile dauern und er könnte sich aufwärmen. Doch als sie die Taverne beratet eile die Löwin nur kurz zum Wirt und sprach einige Worte mit ihm. Grade als Denethor seinen nassen Mantel ablegen wollte, sah er wie der Wirt den Kopf schüttelte. „Wir müssen weiter… er ist nicht mehr hier...“ sagte Tiriana knapp und eilte wieder in den Regen hinaus. So wanderten sie durch die Stadt… Stunde um Stunde verstrich und es regnete ohne Unterlass immer weiter… Schließlich lehnte sich Denethor an eine Hauswand. „Bei allem gebührenden Respekt Löwin…. Wir waren nun in der Bastionstaverne…. In der Taverne zur flutschigen Spitzhacke…. am Schluckspecht… in der Taverne zum heiteren Luftpiraten und in der Taverne zum brütenden Eber…. In der Turmtaverne….“ Er holte Luft und hob die Hand, um weiter aufzuzählen… „Dann noch in der Taverne in der Dunkelgasse, im Lustigen Lurch, in der Taverne zum flammenden Schinken und am Gasthaus zu den Bibliotheken….“ „Im Bordell zum scharfen Drachen und im Freudenhaus der Schwarzen Rose waren wir auch!“ warf Kirios mit einem breiten grinsen ein. Denethor errötet leicht und nickte… „Ja, da auch….“ raunzte er. „Aber in jeder Taverne hat man Euch gesagt, ihr hättet ihn leider schon verpasst?! Wo wollt Ihr denn noch suchen? Und in welcher Verfassung wollt Ihr ihn dann vorfinden?!“ Doch Tiriana antwortete nicht. Sie bog um eine Ecke und Denethor folgte ihr widerwillig. „Hört Ihr mir überhaupt zu?“ brummte er als sie abrupt stehen blieb. „Dort unten haben wir noch nicht gesucht….“ sagte sie und deutete auf das Tor zur Unterstadt das vor ihnen lag. „Ich kenne nur zwei Tavernen dort. Den Wilden Eber und die Taverne am Flohloch… Teilen wir uns auf? Denethor und du ihr fragt beim Wilden Eber… keine Sorge Kirios ist dem den ich suche schon begegnet. Und ich gehe zum Flohloch.“ Mit diesen Worten stieg sie die Stufen hinab in die Unterstadt. Als Tiriana die Taverne am Flohloch erreichte war sie froh drinnen noch Licht zu sehen. Sie betrat den Gastraum. Drinnen war es warm. Kerzen tauchten den Raum in einen Schummerlicht und es roch nach Alkohol, Pfeifenqualm, Tabak und Wachs. Sie blickte sich um. Schließlich blieb ihr Blick an einem Alben hängen, der seine Füße quer über den Tisch vor sich gestreckt hatte und den wenigen noch verbliebenen Gästen munter zuprostete. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Gemächlich trat sie an den Stützbalken neben seinem Tisch heran und klopfte gegen das Holz. „Guten Abend…. Oder soll ich lieber sagen: Guten Morgen?“ Der Alb hob den Kopf und schenkte Tiriana ein breites Grinsen. „Dunkel oder Hell, was ist der Unterschied. Setzt Euch und lasst uns Eure trockene Kehle befeuchten!“ sagte er und rief dem Wirt zu, er möge noch ein Bier bringen. Tiriana nahm auf der Bank dem Alb gegenüber platz. „Ich hoffe Ihr hattet einen schönen Abend?“ fragte sie und klang dabei etwas ironisch. „Nun, in der Dunkelheit gibt es stets Freunden zu entdecken!“ entgegnete der Alb und machte eine nichtssagende Handbewegung währenddessen. „Ich habe heute Abend nicht wenig Leute kennen gelernt… Hauptsächlich waren es Wirte… manche die Euch mehr und manche die Euch weniger gut gesonnen sind.“ sagte sie und grinste. Der Alb hob eine Augenbraue und sah sie fragend an. „So so?“ Der Wirt tat zu ihnen an den Tisch und stellte wortlos einen Krug Bier vor Tiriana ab. „Aber immerhin habe ich Euch endlich gefunden!“ fuhr Tiriana fort, nachdem sich der Wirt wieder hinter seine Theke verzogen hatte. „Auf Euren Erfolg sollten unsere Gefäße gegeneinander schlagen!“ rief der Alb aus und prostete Tiriana so voller Elan zu, das er fast nach hinten über gefallen wäre. Tiriana spürte, wie ihr die Nervosität es schwer machte die richtigen Worte zu finden. „Es mag verwunderlich für Euch klingen, aber ich habe Euch gesucht, weil ich Euch um etwas bitten möchte.“ begann sie und schaute etwas verlegen zu dem Alb hinüber der sich grade noch einen Schluck aus seiner Flasche gönnte, nun aber inne hielt und sie fragend ansah. „Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr wisst, was dieser Tage auf den Straßen geschieht…?“ sprach sie weiter und blickte dem Alb hoffnungsvoll entgegen. Der Alb senkte seinen Blick auf die Flasche in seiner Hand hinab, von der er noch eine tiefen Schluck nahm. „Diese Dinge betreffen uns nicht….“ antworte er schließlich. „Ich weiß…. aber…“ sie suchte nach Worten. „Dennoch, bin ich hergekommen um Euch um Hilfe zu bitten.“ Tiriana griff in die Innentasche ihres Mantel und zog einen Brief heraus, der zwar versiegelt war, auf dem jedoch nirgends der Name des Empfängers geschrieben stand. Sie blickte von dem Brief in ihrer Hand auf. Der Alb, der seine Füße vom Tisch genommen hatte blickte sie nun ernst an. Tiriana senkte ihre Stimme deutlich. „Diese Zeilen sind an den Herzog Rowen Rivaas de Mathis und seine Schwester Terra gerichtet… Was auch immer auf den Gassen geschieht… ich muss sicher gehen, das sie dieser Brief erreicht… Wenn… nun ja wenn….“ Doch bevor sie weiter reden konnte fiel ihr der Alb ins Wort: „Wir empfehlen einen Boten!“ Ein aufgesetztes lachen, kam der jungen Frau über die Lippen. Ihr Blick senkte sich wieder auf den Brief… Nervös strich sie mit den Fingerspitze über dem Umschlag des Briefes und fuhr mit dem Finger über das Siegel. „Dies ist keine Nachricht, die ich einem einfachen Boten anvertrauen kann… Ich hatte gehofft Ihr würdet mir helfen, diese Nachricht sicher zu überbringen, falls mir die Möglichkeit genommen wird....“ sie spürte wie ihre Stimme stockte… und sich ihr inneres dagegen sträubte, ihre Befürchtung laut auszusprechen. „Es wäre nur, im äußersten Notfall und ich... ich würde Euch, nicht bitten, wenn es mir nicht so wichtig wäre...“ und sie bemerkte, wie sich etwas flehendes in ihre Stimme schlich. „Unsere Worte sprachen bereits, diese Dinge betreffen uns nicht.“ entgegnete der Alb ernst und in Tiriana Ohren klangen seine Worte fast ein wenig schroff. Er lehnte sich wieder auf seiner Bank zurück und nahm noch einen Schluck von seiner Flasche. Tiriana sah ihn verblüfft an… so abweisend hatte sie den Alb noch nie erlebt. „Verzeiht… ich dachte zwischen Terra, Euch und mir wäre so etwas wie Freundschaft gewachsen an all den Abenden… hier in Aramat… Außerdem dachte ich Ihr als Geweihter... würdet meine Bitte nicht so abschmettern....“ stammelte sie hervor… Der Alb stellte die Flasche auf dem Tisch ab, lehnte sich von und sah die Mittelländerin finster an. „Freundschaft? Die hellen Schatten?!“ seine Stimme wurde lauter als er weitersprach: „Es ist einerlei! Eure Worte verlangen eine Tat, welche unsere Position in eine Lage bringt, welche uns zuwider ist! Wir werden uns nicht in das Schicksal der Welt ziehen lassen!“ Tiriana blickte entsetzt auf ihren Brief hinab…. „Einerlei? Ist das Euer Ernst?“ Sie konnte nicht glauben, was er da sprach… Sie spürte wie Wut in ihr hoch kochte… Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und versuchte die Wut herunter zu schlucken, doch es gelang ihr nicht. „Ihr seid der Geweihte Tiren Arthoras, ein Geweihter des Arthos, oder etwas nicht?!“ zischte sie wütend hervor. „Wie könnte einen Geweihten das Schicksal dieser Welt nicht betreffen?“ Ein ironisches Lachen brach aus Tiren heraus. „Unser Wunsch war es sicher nicht! Und darum fiel unsere Wahl auf den diesen Weg und nicht den Weg den man uns aufzwang!“ Er fuchtele mit der Flasche in der Hand herum und wies mit dem Finger nach oben. „Vor allem nicht von ihm! Habt ihr einmal seinen Worten lauschen dürfen?“ fragte er sie unverändert gereizt und blickte sie sehr eindringlich an. Tiriana erwiderte seinen Blick und atmete einmal tief durch bevor sie antworte: „Nein, ich kann sie nicht hören.... Aber an diesem Brief hängt eine Hand voll Seelen, die dringend Hilfe brauchen werden.... Wenn Ihr mir schon nicht helfe wollt... gebietet es Euch dann Eure Aufgabe als Geweihter nicht ihnen zu helfen? Tiren stand der Zorn ins Gesicht geschrieben. „Seelen!?“ rief er aufgebracht aus. „Seelen sind uns zuwider! Jedes Mal wieder! Und es ist seine Schuld!“ Er packte die Flasche erneut und warf sie vor Zorn an die Wand. Ein ersten Moment wollte Tiriana den Arm heben, um sich vor den herabregnenden Scherben zu schützen, doch sie krallte sich mit den Fingern an der Tischkante fest und blickte starr vor sich. Sie versuchte sich zu beruhigen, doch es wollte ihr nicht recht gelingen. „Glaubt Ihr etwa Ihr wärt der Einzige, der unzufrieden ist mit seinem Schicksal?“ zischte sie mit zusammengepressten Zähnen. „Wir spucken auf Vorhersehung! Wir spucken auf Pflichten! Wir spucken auf das Schicksal! Der uns bestimmte Weg ist von einem grausamen Schatten bestimmt. Und diesen werden wir nicht gehen! Also versucht nicht uns dahin zu bewegen!“ der Alb ließ seinem Zorn freien lauf während er sprach. Tiriana spürte wie Bitterkeit in ihr aufkam und sich mit ihrer Wut mischte. „Immerhin gibt es eine Macht die Euch einen Weg aufzeigt....“ erwiderte sie. „Ich würde zu keiner Sekunde zöger mit Euch zu tauschen, wenn ich dafür nicht länger im Dunkeln tappen würde... wenn ich wüsste was zu tun wäre, um an diesem Elend da draußen was zu verändern...“ sie spürte wie sie sich selbst in Rage redete, doch es war zu spät, um die Worte wieder herunter zu schlucken. „Ich habe Euch kennengelernt als jemand der höflich, freundlich und auf seine spezielle Art auch mitfühlend und einfühlsam ist.... Niemandem sonst würde ich das anvertrauen!“ Sie nahm den Brief auf schob ihn Tiren entgegen. Sein Blick senkte sich auf den Brief, doch er sagte nichts… Tiriana biss wütend die Zähne aufeinander, gewann so grade noch den Kampf gegen die Wuttränen, die sich in ihr hoch kämpfen und knallte den Krug Bier, den der Wirt ihr gebracht hatte, vor Tirens Nase so hart auf den Tisch, das sich ein großzügiger Schwall davon über die Tischplatte verteilte. Ihrer beider Augen waren genau aufeinander gerichtet und Tiriana wusste, das die anderen Gäste, die ihr im Rücken saßen wohl alle mitbekamen, über was sie grade stritten, doch es störte sie nicht. „War das, das Einzige, was Euch an all den Abenden Interessierte? Was Euch überhaupt auf dieser Welt interessiert?“ Sie ließ ihrem Zorn Luft und konnte nicht vermeiden, ebenfalls laut zu werden. Tiren sah sie noch einen Augenblick lang an und fuhr sich dann mit er Hand durch sein Gesicht. „Ihr würdet also den unseren Platz tauschen wollen?“ fragte er und klang etwas ruhiger als zuvor. Tiriana nahm die Hand vom Griff des Bierkrugs und zwang sich auch ruhiger zu sprechen und schloss für einen Moment die Augen. „Ich vertraue auf die Götter.... Ich glaube und hoffe, das sie uns leiten das Richtige zu tun.“ Sie öffnete die Augen und sah Tiren voller Ehrlichkeit an. „Ich weiß nicht, wie es ist, sie tatsächlich hören zu können... und ich verstehe auch nicht, warum es Euch so zuwider ist... aber ja... wenn das das Mittel wäre um das Leid zu lindern...“ Sie zögerte einen Augenblick. „Ich kann mir nicht vorstellen, das die Götter gewollt haben, wie die Völker hier in der "neuen Welt" miteinander umgehen....Ich weiß nicht ob es mir helfen könnte mit Euch zu tauschen...“ Ihr Blick wanderte wieder auf den Bierkrug hinab. „Aber... das... hilft sicher nicht irgendwas besser zu machen! Egal was!“ Eine kleine Pause entstand, doch dann verzog Tiren angewidert das Gesicht. „Wenn es Euer Wunsch ist die Welt zu sehen wie wir...“ begann er, zog sein Messer und rammte es in den Tisch. „Opfert Euch, Eure Seele, bietet sie ihm dar. Und wenn Ihr Euch "glücklich" schätzt, dann "erwählt" er Euch...“ Tiriana packte das Messer, zog es aus der Tisch und betrachtete die Klinge mit kaltem Blick. Es war nicht die edelste Waffen, doch zum morden reichte es vollkommen aus. „Ist das alles?!“ erwiderte sie. „Geht hinab! Tretet vor ihn! Seht ihm in sein Angesicht und erkennt was er ist!“ blaffte ihr Tiren entgegen. Ihre Augen wander von dem Messer wieder zu dem Alb und sie spürte wie sich ein freudloses Lächeln um ihre Mundwinkel legte. „Und Euch? Wäre es Euch egal... wenn er mich nicht.... "erwählt"?“ fragte sie und ließ das Messer geübt über ihre Handfläche gleiten. „Sagt mir Tiren Arthoras… habe ich mich so schrecklich in Euch geirrt?“ Sie sah wie der Ärger sich wieder über sein Gesicht legte. „Eine Seele wie die andere... Jede tritt vor... Jede wird verurteilt... Ob der Tag schon nah, oder doch noch fern... Sei es Euer Wunsch, so trage ich die Eure hinab und werfe sie ihm zu Füßen. Doch dort wird Euch nur Enttäuschung erwarten.“ „Ist das so?!“ fragte sie herausfordernd und hob ihre linke Hand an die Lippen, während sie mit der rechten das Messer vor seiner Nase spielerisch durch ihre Finger gleiten ließ. Dann packte sie ihren Handschuh, mit den Zähnen, zog ihn sich von der Hand und spuckte ihn dann achtlos beiseite. „Dann gibt es wohl nur eine Möglichkeit das heraus zu finden!“ Sie legte ihren linken Arm mit er Innenseite ihres Handgelenks nach oben auf die Tischplatte vor Tiren und umfasste das Messer entschlossen. Er hob die Augenbrauch und blickte sie abwartend an. Tiriana suchte seinen Blick und sah ihm offen in die Augen. „Eure Entscheidung….“ sagte sie und hob den rechten Arm, um das Messer herunter rauschen zu lassen… Sie spürte wie der Mut sie einen Augenblick lang verließ, doch in dem Moment in dem sie zum Stich ansetzte griff Tiren nach dem Messer. Tiriana atmet durch, zog ihre Hand jedoch blitzartig zurück, um sich das Messer nicht wegnehmen zu lassen. Sie hatte nicht vor ihm die Erleichterung zu zeigen. „AH! AH! AH! So einfach nicht!“ stieß sie aus. „Ihr habt es doch so gewollt? Das ich die Welt so sehe wie Ihr!.... Ihr habt gesagt, es ist Euch Einerlei...Oder nicht? - Eine Seele wie die andere..... Ein Schicksal, das Ihr hasst.... ein Schicksal dem Ihr nicht folgen wollt....“ Sie schrie ihm die Worte mehr und mehr entgegen und ihre Tränen konnte sie nicht länger zurück halten… seine Worte… sein von Zorn erfüllter Blick… all das hatte entsetzlich weh getan. „Mich wollt Ihr nun abhalten…? Aber was….. was ist mit all den Anderen da draußen, verflucht?!“ sie hob die linke Hand an die Lippen und versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken… doch Tiren begann im selben Augenblick manisch zu lachen. „Ihr Verdammte! Versteht Ihr langsam das Chaos? Das Schicksal, welches ich verachte. Die Aufgabe welche ich nicht mehr verrichte. Jede Seele, wie die andere und doch individuell....Diese Erkenntnis will ich Eurem Geist ersparen! Euch ersparen Euch selbst in diesem Chaos zu verlieren! Ein Chaos dem ich mich zu entziehen versuche und in das Ihr mich zurück drängen wollt!“ Wieder bedachte er sie mit einem finsteren Blick. Achtlos warf die das Messer vor ihn auf den Tisch, wo es mit einem klirrenden Geräusch gegen den Krug stieß. „Das ist wirklich alles? Aber Ihr habt Recht! Es wäre so viel leichter zu vergessen… alle Erinnerungen im Wein zu ertränken, nach Aspio zurück zu kehren… uu Terra… zu Rowen… ihm einfach sagen, was ich ihm schon seid über 10 Jahren sagen will….“ sie hielt kurz inne und wischte sich ihre Tränen weg. „Aber so einfach ist das alles einfach nicht!“ zischte sie. „Bei den Göttern, so verflucht einfach ist es eben einfach nicht!“ ihre Stimme wurde erneut lauter. „Was ihr tut ist FEIGE! Aber SCHÖN!! Wenn Euch ein Schicksal, in dem Ihr Euch in Feigheit und Bedauern suhlen könnt.... so viel lieber ist, dann tut es mir Leid, dass ich Euch in eurem Suff gestört habe....“ Sie gab sich keine Mühe die Enttäuschung, die in ihrer Stimme lang zu vertuschen. Sie griff nach dem Brief, entzündete das Pergament an einer der Kerzen auf dem Tisch und ließ es dann achtlos zu Boden fallen, wo es kurz aufflammte und dann verbrannte. Sie wendete sich dem Wirt zu. „Verzeiht, das ich die Ruhe Eures Hauses so rüde gestört habe, so spät in der Nacht...“ sagte sie. Doch der Wirt sah sie immer noch einfach nur verblüfft an und nickte stumm. Dann wandte sie sich wieder Tiren zu und warf ihm eine Münze zu. „Für das Bier…. Nicht das Ihr denkt, ich will Euch etwas schuldig bleiben!“ zischte sie ihm zu. Der Alb fing die Münze auf und fixierte sie mit zusammengepressten Lippe. „Kein Wort zum Abschied...?“ ein grinsen legte sich über ihre Lippen. „So lebt den wohl, Tiren Arthoras….“ Sie bedachte ihn mit einem gehässigen Lächeln und einer sehr übertrieben unterwürfigen Verneigung. Ohne sich noch einmal nach im umzuschauen verließ sie die Taverne zum Flohloch. Kaum war sie über die Brücke, die über das Rinnsal führte, das durch das Gefallenenviertel floss, kamen ihr Kirios und Denethor entgegen. „Im Wilden Eber war er nicht… habt ihr ihn gefunden? Wo is der Kerl?“ rief ihr Denethor schnaubend entgegen. „Ist schon gut… lass uns nach Hause gehen...“ sagte sie ohne die beiden an zu blicken… „NACH HAUSE?! Dieser Scherz ist kein Guter, Löwin!“ echauffierte sich Denethor, doch Kirios hob den Arm, um ihn zum Schweigen zu bringen… und schüttelte in Denethors Richtige den Kopf… „Also GUT! SCHÖN! Nach Hause!“ brummte Denethor. „Mögen die Aspionischen Söldner stets davor gewahrt, ein launisches Weibsbild ihren Herrn nennen zu müssen!“ knurrte er in sich hinein… Tiriana blieb kurz stehen… sparte sich jedoch eine Antwort darauf und lief einfach weiter. „Das hat sie gehört, du Tölpel!“ erwiderte Kirios, klappte den Kragen seines Mantel hoch und folgte ihr in die Nacht…
  3. Es war bereits weit nach Mitternacht und im Lager war bereits Ruhe eingekehrt. Doch Tiriana Arandur saß noch über einigen Pergamentrollen, Briefen und Dokumenten gebeugt in ihrer Schreibecke. Sie tauchte ihre Feder in das Tintenfass, kritzelte einige Worte auf das Pergament, strich wild Worte durch, schrieb neue hinzu bis sie die Feder beiseite legte, das Pergament dann zusammenknüllte und hinter sich warf. Dies wiederholte sich einige Male bis sie vor Wut einen Fluch aussprach und die Feder so achtlos auf den Schreibtisch klatschte, das sie ihr Tintenfass dabei umwarf. Doch da ihr Schreibtisch nichts weiter war, als eine leere Kiste, lief die Tinten durch die Ritzen des Holzes und tropfte ihr auf die Knie. Ein weiterer Fluch gellte durch die Scheune. Sie hob das Tintenfass wieder auf, und stellte es weg, wobei sich die Tinte über ihr Finger verschmierte. Tiriana hielt inne und betrachtete einen Moment lang im schummerigen Licht, der Laterne ihre Hand… >> Schwarz… wie geronnenes Blut….ihr Blut...<< Hecktisch griff sie nach einen Lappen und versuchte die Tinte von ihrer Hand zu wischen. „Du bist noch wach?!“ hörte sie da plötzlich hinter sich. Es war die Stimme von Kirios. Sie drehte sich um und sah in das Gesicht des Fahlländers. „Was ist passiert?“ fragte er und ein Hauch von Sorge schwang in seiner Stimme mit. „Nicht… nichts weiter…“ log sie rasch und verschränkte die Arme. Kirios sah sie abschätzend an. „Soso...“ sagte er und machte bei seinem Tonfall keinen Hehl draus, das er ihr kein Wort glaubte. „Ja…!“ entgegnete sie und ließ sich wieder an ihrem Schreibtisch nieder. „Was hat die Sitzung ergeben?“ fragte sie harsch. Kirios trat an sie heran und hockte sich auf ein Fass. „Nichts weiter, 2 neue Mitglieder. Ein Alb aus Eickelburg und ein Steingeborener aus Mirdain.“ antwortete er, zog einen Apfel aus einem der Fässer seitlich von sich und biss geräuschvoll davon ab. „Und weiter?“ harkte Tiriana nach und warf den von Tinte getränkten Lappen beiseite. Kirios hielt einen Moment inne, als würde er angestrengt überlegen. „Nichts weiter!“ antworte er schließlich. „Wo warst du dann die ganze Zeit, wenn “Nichts weiter“ war? Du stinkst nach billigem Parfum und Wein….“ Ein hämisches Grinsen legte sich über Kirios Gesicht. „Bist du etwa eifersüchtig Cousinchen? Oder hast du dich am Ende um mich gesorgt?“ Sie sah ihn böse an. „Weder.... noch….!“ sagte sie zickig… und drehte sich von ihm weg. „Ich bin auf dem Rückweg noch auf einen Krug Bier in die Bastionstaverne... Du weißt das Sonnenlicht… Nun… Ich habe mich dort mit einer Dame unterhalten, die mir schon im Ratsgebäude aufgefallen ist...“ Tiriana nahm den Lappen noch einmal zur Hand und begann das Holz der Kiste ab zu tupfen. „Ich will von deinen Eskapaden gar nicht hören!“ Kirios grinste. „Wieso nicht? Du kennst die holde Dame! Ihr Name lautet: Marquise Myriell de Renquié.“ Tiriana hielt inne und die Hand die den Lappen hielt, ballte sich unwillkürlich zu einer Faust, sodass ihr Fingerknochen leise knackten. „Wie schöööön…. für dich… ich hoffe du hattest mit dieser Hure deinen Spaß!“ zischte sie biestig und tupfte dann weiter auf dem Holz herum. „Hmm bei Durae, Nein! Wir haben uns nur Unterhalten. Sie war wohl mit oder wegen Buchenbach in Aramat… ich habe es nicht richtig aus ihr herausbekommen… Aber hast du nicht erzählt das da was zwischen ihr und Thehedir ist?“ fragte er. „Möglich...“ zischte sie und klang noch gereizter als zuvor. „Willst du ihm denn nicht sagen, das seine Liebste mit andern Männern unterwegs ist? Ich dachte ihr seid Freunde...“ Tiriana sprang wütend auf und warf den Lappen beiseite. „Alles was Avalon Thehedir betrifft ist mir völlig egal!" Sie baute sich vor ihm auf und stämte die Hände in die Hüfte. "Und es ist mir ebenso egal von wem seine Angebetete Geld nimmt und für was sie sie bezahlen…..“ Kirios stand auf und legte seine Arme um Tirianas Schultern und beugte sich an ihr Ohr. „Siehst du… mit so einem blöden Kerl wie mir als Cousin, ist der Schreck über jede bösere Erinnerung ganz schnell überwunden! Du solltest schlafen… du siehst so Müde aus in letzter Zeit… Denethor und Maldur sorgen sich auch. Und ich denke sowohl Airi als auch Terra würden mit uns schimpfen, weil wir nicht richtig auf dich aufpassen.“ Seine Stimme klang sanft und beruhigend wie immer. „Ja gleich...“ antworte sie schließlich. Ein kurzes schaudern ging ihr über den Rücken als er Terra und Airi erwähnte, was ihm nicht entging. Doch er wollte nicht weiter nach bohren. Kirios löstze die Umarmung wieder und schickte sich an zu gehen. Als er die Nische verließ blieb er noch einmal stehen. „Ach ja… Herr Buchenbach hat mich gebeten dir eine Einladung zu einer privaten Unterhaltung zu überbringen. Er war es doch, der den Herzog und auch Terra bedroht hat… Du wirst das ausschlagen... oder? sagt er zögerlich. Einen Moment herrschte Stille… er war sich nicht sicher, ob er sich noch einmal zu ihr umdrehen sollte, als er ihre Stimme hörte: „Ich… nehme die Einladung an…… doch zuvor, werden wir noch jemand anderen besuchen...“
  4. ~~oOo~~ Ein Zeichen. . . ~~oOo~~ [~vorrangegangen~) Am Morgen des 7. Tages nach Airija Estels Tod war Tiriana Arandur schon sehr früh wacht. Sie zog sich an und verließ ihr kleines Zelt. Am Lagerfeuer hockten Skali und Ajali, die das Frühstück vorbereiteten. Doch wie schon in den letzten Tagen lehnt Tiriana das Frühstück mit einem grimmig gemurmelten: „Danke, hab kein Hunger...“ ab und verschwand dann in der Scheune. Dort zog sie sich in die hintere Ecke zurück. Zwischen 2 hohen Kistenstapelten, hatte sie sich etwas Platz geschaffen, den sie als improvisierte Schreibstube nutzte. 2 größere auf die Seite gekippte Kisten dienten ihr als Schreibtisch… wenn man es so nennen konnte und eine kleinere, mittlerweile recht wackelige Kiste als Sitzgelegenheit. Mehre Stapelt unsortierter Dokumente, Pergamente und Briefe lagen wild durcheinander. Daneben ein fast leeres Tintenfass und eine Schreibfeder die sichtlich schon bessere Tage gesehen hatte. In einem Kerzenhalter stach der Stumpen einer heruntergebrannten Kerze, deren Wachs nicht grade in unerheblicher Menge auf das Holz der Kiste heruntergetropft war und auch einige der Schriftstücke in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen hatte. Tiriana ließ sich wie ein Sack fallen und rutschte an ihren Schreibtisch heran, was die kleine wacklige Kiste heftig knarzen ließ. Sie seufzte, wühlte in den Unterlagen herum und zog dann ein in blaues, ledergebundene Buch hervor, auf dessen Rücken in Goldenen Lettern das Wort „Auftragsverzeichnis“ gestanzt war. Sie schlug es auf und während sie daran blätterte, ein paar Notizen in gesauter Handschrift hinein krakelte, hörte sie ein klopfen. „Jaaaaah?!“ brummte sie ohne sich umzudrehen. „Löwin, ein Bote aus Aramat ist hier, er hat einen Brief für euch?“ Es war die Stimme von Denethor. Tiriana rollte mit den Augen. „Dann sag dem Boten, das der werte Herr Ratsvorsitzende Thehedir, sich seine Einladung zur Ratssitzung an den Hut stecken möge… sofern der Grund für die Einberufung der Sitzung von so überaus großer Wichtig ist, wie beim letzten Mal...“ sie fauchte die Worte mehr als das sie sie sprach. „Ähm… verzeiht Löwin, Thehedirs Brief erreichte uns bereits vorgestern und mit einer Einladung zur Sitzung am heutigen Abend. Dieser Brief jedoch trägt das Siegel der Stadtwache.“ erwiederte Denethor und streckte Tiriana den Brief entgegen. Tiriana sprang auf, eilte zu ihm, riss ihm das Schreiben aus der Hand, brach das Siegel, entfaltete das Pergament und las. Denethor sah, wie ihre Augen hastig über das Pergament flogen und wie ihr Blick mit jeder Zeile finsterer wurde. Dann blickte sie auf und sah Denethor grimmig an. „Ich reite nach Aramat, sofort. Kümmert euch um die Aufträge… ich werde sehen, wann ich zu euch stoßen kann.“ sagte sie und klang dabei sehr kurz angebunden. „Löwin, es wird eurer Schwester und Kirios nicht gefallen, wenn ihr euch wieder alleine in die Stadt gebebt, nehmt mich mit, um die Aufträge wird sich Maldur sicher auch allein kümmern kön...“ sagte er, schwieg jedoch sofort, als sie ihn mit einem weiteren scharfen Blick finster ansah. Tiriana griff nach ihrer Umhängetasche und eilte an Denethor vorbei. Erleichtert waren er und Maldur gewesen, als sie erfahren hatten, das Tiriana in Aspio endlich die Schwester des Herzogs Rivvas de Mathis wiedergesehen hatte. Es war in den ersten Tagen nach ihrer Rückkehr so gewesen, als hätte sie dieses Treffen nahezu beflügelt! Doch seid dem Tod des Mädchen war davon nichts mehr zu spüren. Tiriana war gereizt und dünnhäutig und das bereitete allen im Lager sorge. Nicht einmal Kirios hatte es geschafft vernünftig mit ihr über das Geschehene zu sprechen. Als Denethor die Scheue verließ sah er grade noch, wie Tiriana in Richtung Stadt davon preschte. Tiriana betrat das Hauptverwaltungsgebäude des Rat des Volkes, eilte eine Treppe hinauf und einen Gang entlang und bog dann um eine Ecke und betrat das Zimmer zu ihrer Linken. Es war das Vorzimmer zur Schreibstube des Ratsvorsitzenden. An einem Schreibtisch auf der rechten Seite des Raumes saß eine junger Mittelländer, der tief über seine Unterlagen gebeugt saß und sich emsig Notizen machte. Tiriana betrat den Raum ohne an zu klopfen und ohne den Mittelländer eines Blickes zu würdigen. „Ist er da drin?“ fragte sie harsch. Der Mittelländer blickte auf. „Oh, Frau Arandur. Ja, aber sie können ihn grade nicht stör...“ begann der junge Mann, doch Tiriana schritt einfach an ihm vorbei auf eine weitere Tür zu, vor der 2 Nordmarer als Wachen postiert waren, die hastig Blicke austauschten. „Ähm. H…. Halt…. Kein Durchgang!“ sagte der größere der Beiden. Seine Stimme klang verunsichert und etwas dümmlich. Mit dem Speer, den er hielt versperrte er den Weg. Scheinbar waren sie sich nicht wirklich miteinander einig, wie sie gegen ein Ratsmitglied vorgehen konnten oder durften? Tiriana sah ihn scharf an. „Zur Seite!“ zischte sie. Wieder tauschten beide Nordmarer Blick aus…. „Wirds bald!“ fauchte sie, griff nach dem Speer ihres Gegenüber und riss ihn beiseite, um sich Zutritt zu verschaffen. Sie griff nach der Türklinge, riss die Tür auf und trat an den beiden Männern vorbei. Der Ratsvorsitzende Avalon Thehedir, der an seinen Schreibtisch saß und dabei gewesen war einen Brief zu verfassen blickte auf. „Ich muss mit dir reden….“ sagte sie knapp und trat an den Schreibtisch heran. Der Nordmarer schob sich hinter Tiriana in den Raum. „Ratsvorsitzender, verzeiht die Störung, aber Frau Arandur….“ begann er, doch Avalon hob beschwichtigend die Hand und legte die Schreibfeder beiseite. „Schon gut!“ sagte er dem Nordmarer. Dann sah er zu Tiriana hinüber. „Tiri, was verschafft mir die Ehre, das du hier her kommst? Geht es um die Sitzung heute Abend? Ich rechne fest mit deinem Erscheinen!“ Der Nordmarer verließ das Zimmer und schloss die Türe rasch hinter sich. „Lies das!“ Tiriana zog den Brief der Stadtwache aus ihrer Tasche und warf ihn vor Avalon auf den Schreibtisch. Avalons Blick wanderte von Tiriana auf das zerknitterte Stück Pergament auf seinem Schreibtisch. Langsam streckte er die Hand aus, griff nach dem Brief und überflog die Zeilen. Nach einem kurzen Moment blickte er von dem Pergament wieder zu Tiriana auf, die immer noch mit erwartungsvollem Blick vor seinem Schreibtisch stand. „Nun… das klingt vernünftig, was hier geschrieben steht…“ sagte Avalon. Tirianas Augen weiteten sich. „Unfug! Ich habe mir die Kerle angesehen. Das ist Abschaum der schlimmsten Sorte… Avalon, wir dürfen nicht weiter zuschauen, wie solche Kerle in dieser Stadt tun was sie wollen!“ erwiderte sie und klang sehr aufgebracht. „Nun, wie hier steht kümmert sich die Stadtwache gewissenhaft darum. Ich bin sicher die Stadtwache wird eingreifen, sobald es erforderlich ist.“ sagte er und versuchte ermunternd zu klingen. „Würden diese Stümper eingreifen, wenn es erforderlich ist, wäre dieses Unglück nie geschehen!“ keifte Tiriana. „Sie ist Tod Avalon! Und niemand hat dagegen etwas unternommen….“ sie beugte sich zu ihm vor und stützte sich mit den Händen auf der Platte des Schreibtisches ab. Avalon sah, wie Tiriana vor Wut bebte und sich ihre Fingernägel in das Holz des Schreibtisches krallten. „Du kanntest das Mädchen, nehme ich an?“ erwiderte er. „Das tut doch nichts zur Sache!“ „Bist du sicher? Manchmal verschleiert einem die Trauer die Sicht auf die Fakten?“ entgegnete er und versuchte ruhig und sachlich zu klingen. „Fakten?! Faaaakten?!“ schnaubte Tiriana aufgebracht. „Das nichts unternommen wurde in dieser Angelegenheit, das sind die Fakten?! Es muss etwas geschehen!“ Avalons Blick wurde ernster. „Nun… ich habe es dir bereits neulich in Aspio gesagt! Nutz deine Position im Rat. Erarbeite ein Konzept, das die Lebensumstände für aller Besser macht und ich bin sicher du wirst die nötige Unterstützung dann schon bekommen!“ sagte Avalon ruhig. „Das kann nicht dein Ernst sein, Avalon!“ Tiriana war fassungslos. „Wenn es dich beruhigt, werde ich mit dem Wachhabenden, der dieses Schreiben verfasst hat reden und ihn Bitten, alles noch einmal genauestens zu überprüfen!“ Tirianas Finger krallen sich noch tiefer ins Holz hinein und Avalon sah, wie ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. „Das kann nie und nimmer dein Verdammter ernst sein!? Wozu bist du denn Ratsvorsitzender, wenn du nicht mal das kannst?!“ bluffte sie ihn an. Avalon atmete tief durch um sich Ruhe zu bewahren. „Die Klärung aller Verbrechen, die in Aramat begangen werden, obliegt der Verwaltung der Stadt Aramat und somit der Stadtwache und der örtlichen Rechtsprechung. Es ist nicht Aufgabe des Rates Verbrecher, oder jene die beschuldigt werden Verbrecher zu sein, zu jagen….“ erklärte er und versuchte weiterhin so sachlich wie nur möglich zu klingen. „Sieh doch… Unglücke geschehen leider immer wieder Tiri… Ich kann verstehen, das du wütend bist… aber bist du sicher, das du dich nicht in etwas verrennst?“ Er stand auf und legte ihr Mitfühlend die Hand auf die Schulter. Tiriana sah ihn mit leeren Augen an. Fast glaubte Avalon, das sie sich wieder etwas beruhigt hatte, als sie den Blick senkte. „Nun… ich seh dich dann heute Abend bei der Ratssitzung! Wir schaffen das schon!“ sagt er erleichtert. Doch in den Moment schlug sie seine Hand weg… „Ich verrenne mich in etwas?! Oh Nein… Du siehst die Wahrheit nicht! Oder willst du mir nur einfach nicht zuhören und helfen?!“ ihre Stimme klang verbittert und in ihren Augen standen ihr Tränen vor Wut. „Darum geht es nicht, aber wenn ich auf biegen und brechen Leute verhaften und bestrafen lasse, könnte das die komplette Diplomatie zwischen uns und der Stadtleitung Aramats zerstören. Das kann und darf ich in der angespannten Situation, in der wir uns derzeit befinden nicht verantworten! Die Zuständigkeit liegt bei Aramat und dort wird sie bleiben!“ sagte er und klang bestimmt. Tiriana sah ihn einen Moment lang ausdruckslos an. „Würdest du auch so reden… wenns es keine Gefallene, sondern ein Mensch oder eine Alve gewesen wäre, die man umgebracht hat?!“ Avalon spürte wie Wut in ihm aufkam. „Du solltest mich besser kennen….“ antwortet er, doch seine Wut zu verbergen gelang ihm nur halb so gut, wie er es gewollt hatte. Tiriana richtete sich wieder auf und schnaubte verächtlich… „Als ich euch um Hilfe bat, Markgraf… hättet ihr auch einfach: Nein!… antworten können… das hätte uns beide… diese Peinlichkeit erspart….“ ihre Stimme klang resignierend… ohne ein weiteres Wort verließ sie die Schreibstube und schlug die Tür hinter sich so stark zu, das sie mit einem lauten krachen ins Schloss fiel… Avalon sah ihr nach und Atmete tief durch… es war nicht so, das er ihre Not nicht verstand… doch seine Position zwang in einfach dazu diplomatisch und neutral zu bleiben. „Verdammter Sturkopf…. Was denkst du denn nur von mir!?“ flüstere er und schlug vor ärger mit der Faust auf die Tischplatte. Als Tiriana die Scheue wieder erreichte bat sie Ajali darum sich um ihr Pferd zu kümmern und hockte sich ans Lagerfeuer. Stumm blickte beobachtete sie die Flammen. „Wolltest du nicht zu den anderen stoßen?“ fragte eine Stimme hinter ihr. Sie blickte sich um und sah Kirios, der sich im Schatten hinter ihr gegen die Scheuenwand lehnte. Einen Moment lang sah sie ihn an, dann drehte sie sich wieder um. Kirios seufzte, zog sich seine Kapuze über und gesellte sich zu ihr ans Lagerfeuer. Die Sonne stand nicht mehr ganz in Zenit, sodass es sich aushalten ließ. „Was is denn passiert heute Morgen, das du so aufgewühlt bist?….“ fragte er leise. Tiriana hielt ihm Wortlos den Brief der Stadtwache hin. Kirios nahm das Pergament und las:
  5. Ich glaube für ne Kingsquest will kein Bauer anfangen Filz zu verschwenden... und Tabak kann nur ne Hand voll leute überhaupt craften.... Hab ihr euch die Rezepte überhaupt mal angesehen? Und btw.... ich für meinen Teil möchte auf Lyria zocken und den Wahnsinn des Alltag mit Corona (allen dazugehörigen Gesetzten, Maßnahmen und Sperren) hinter mir zu lassen. Auf der Arbeit ist man Tagtäglich damit konfrontiert... jeder Fernsehersender, jede Zeitungsschlagzeile und massiv viele Seiten im Internet schreien einem die neusten Infos zur Krise entgegen. Wenn ich auf dem Server bin will zumindest ich meine Ruhe haben vor all dem. Ich glaube auch das es Unsinn ist zu sagen die Krise ins Spiel zu bringen hilft zu realisieren wie ernst die Lage ist. So wie oben genannte Medien seit Wochen brennen... das es sich da um keinen Spaß handelt hat wohl auch der größte Depp gerallt?!
  6. Eine Weile nachdem in den frühen Morgenstunden das Seelenlicht am Haus der Familie Estel erloschen war, fanden sich 3 Gestalten vor dem Haus ein. Sie trugen schwarze Kapuzenmäntel eng um den Körper gewickelt, die so hoch geschlossen waren, das sie Mund und Nase bedeckten. Tiriana, die an Airijas Bett bei Miriam gesessen hatte, sah 2 goldene Augenpaare und ein tief dunkelgrünes. Ihr Anblick löste etwas beklemmendes in der jungen Mittelländerin aus. Ihr Blick wanderte zu Lear. Doch weder bei ihm, noch bei Miriam schien ihr Erscheinen Verwunderung aus zu lösen. Die 3 Fremden, die Wortlos an der Tür verharrt hatten, traten näher an das Bett heran, in dem Airis lebloser Körper lag. Ihre Blicke wanderten zuerst zu Lear und ruhten dann auf Miriam. Nach einem kurzen Moment, hob Miriam den Kopf. Tiriana, die tröstend einen Arm um sie gelegt hatte, bemerkte wie Miriams Hände begannen zu zittern, doch sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Nach einer Weile nickte Miriam stumm. Die Gestalt mit dem dunkelgrünen Augenpaar beugte sich zu Airija herab und nahm ihren toten Körper behutsam auf ihre Arme. Ohne eine weitere Geste oder ein Wort verließen die 3 Gestalten das Haus und verschwanden im Gassengewirr der Unterstadt. Miriam starrte noch eine Weile auf das leere Bett, dann wandte sie sich Tiriana zu. „Bald bringt meine Schwester die Kinder her… Ich danke Euch, das ihr in dieser schweren Nacht an meiner Seite gewesen seid! Ihr seid meiner Familie stets willkommen! Mögen die Götter über euch und die euren wachen… “ Tiriana fiel Miriam um den Hals und drückte sie. „Ich muss Euch danken… das ich hier bleiben durfte...“ flüsterte sie Miriam zu. Mütterlich strich Miriam ihr über den Kopf. „Ihr solltet euch nun auf den Weg machen.“ Ihr blick wanderte in Richtung Kirios, der immer noch an die Hauswand gelehnt auf dem Boden hockte und sich mit einer Hand über die Stirn rieb… „Für ihn war sich sicher am anstrengendsten die Nacht über hier zu verweilen… so viele düstere Gedanken… so viel trauer… Schuldgefühle... Zorn und Wut… und Angst...“ wisperte Miriam. Tiriana sah sie verwundert an. Miriam versuchte zu lächeln. „Er ist ein sehr mutiger Mann… als ihr ihn gebeten habt Airijas zu helfen, hat er keinen Moment gezögert…... aber es muss schrecklich für ihn gewesen sein, als er seinen Geist geöffnet hat… und all die schrecklich düsteren Empfindungen derer hier im Raum auf ihn niedergeprasselt sind... Nicht jedem gelingt es die fremden Gefühle so einfach wieder von seinem eigenen Geist ab zu schütteln… auch er scheint damit zu kämpfen zu haben…“ erklärte Miriam. Tiriana sah sie staunend an… „Woher wisst ihr so viel über Magie?“ fragte Tiriana leise. Miriam lächelte und zog den Ärmel ihres Kleides etwas höher und deutete auf ein Symbol auf ihrem Unterarm. „Das ist das Symbol des Magiers der meine Kräfte versiegelt hat…“ Miriam sah, wie sich Tirianas Augen weiteten. Entsetzt und mitfühlend zugleich sah Tiriana zu Miriam. Sie wusste nicht recht, was sie sagen sollte. „Es war sicher nicht einfach für euch….“ sagte sie und ärgerte sich zugleich, das ihr keine tröstenderen Worte einfielen. Miriams lächeln verflog. „Nicht jedem von uns ist es vergönnt eine Verbindung zu den anderen Völker zu besitzen und selbst wen, nicht jede Verbindung ist gut. Doch egal ob Gefallener oder nicht… Ich gönne es keinem Magier eine Versiegelung zu durchleben… Damals fühlte es sich so an, als hätte man einen Teil meines innersten Selbst aus mir herausgeschnitten…“ Sie seufzte und Tiriana spürte, wie die Erinnerung daran ihr einen Schaudern über den Rücken jagte. „Mit der Zeit vergeht das Gefühl der Unvollkommenheit… doch es ist nichts im Vergleich zu dem Schmerz… ein Kind… zu verlieren…“ ihre Stimme versagte für einen Moment, doch dann schüttelte sie den Kopf und Tiriana spürte wie sehr sie versuchte sich zur Ruhe zu zwingen. „Versprecht mir, das ihr gut auf Euch und auf ihn acht gebt… und nun macht euch auf den Weg.“ Tiriana nickte. Sie verabschiedete sich noch von Lear und verließ dann gemeinsam mit Kirios das Haus der Estels. Während sie sich auf den Weg zum Tor der Unterunterstadt machten, beobachtete Tiriana Kirios immer wieder aus dem Augenwinkel… Miriam schien recht zu haben, je weiter sie sich vom Haus der Estels entfernten, desto mehr schien die Anstrengung aus seinem Gesicht zu weichen. Sie verspürte in sich das Bedürfnis mit ihm über das zu reden, was Miriam ihr erzählt hatte… „Was ist denn, Cousinchen?“ fragte er, als er ihren sorgenvollen Blick bemerkte. „Ich… ach nichts weiter…“ stammelte sie verlegen. Es war ihr peinlich, das er etwas bemerkt hatte. „Na du schaust doch nicht grundlos so besorgt, als würdest du erwarten, das ich jeden Moment umfalle? Rede einfach mit mir, wenn dir was auf dem Herzen liegt.“ „Miriam… sie sagte für dich war der Zauber, um den ich dich gebeten habe…. Also… ich meine… ich wollte dich zu nichts zwingen, was...“ „Tiriana? Du musst dir um mich keine Sorgen machen! Ich bin ein Magister… ich bin das Risiko eingegangen diesen Zauber zu wirkt, weil ich es wollte.“ er lächelte und wieder ging von ihm etwas sanftes und beruhigendes aus, das sich Tiriana nicht erklären konnte. „Du Kirios… sag mal… wer waren die 3 Gestalten, die Airija mit sich genommen haben und wo bringen sie sie hin?“ fragte sie verlegen um das Thema zu wechseln. „Das waren Rußkatzen…“ antwortete er knapp. Als er Tirianas fragenden Blick bemerkte fuhr er fort: „Es gibt sie in fast jeder größeren Stadt, auch wenn sie dort vielleicht andere Namen tragen. Gefallene die sich der Toten annehmen und ihre sterblichen Körper den Flammen übergeben, auf dass sie mit Würde und in Frieden vergehen mögen. Wenn in einer Nacht ein Seelenlicht entzündet wird, begeben sie sich auf die Suche nach dem Ursprung. Wie streunende Katze schleichen sie durch die Dunkelheit und da ihnen oft der Geruch von Feuer, Asche und Ruß anhaftet, nannte man sie irgendwann einfach „Rußkatzen“ …. eine harte und traurige Arbeit, aber eine unerlässliche… Wenn er Tod hier unten in den Gassen Einzug hält, müssen die Spuren schnell beseitigt werden… bevor sich Krankheiten oder Seuchen ausbreiten. Viele Leute fürchten die Rußkatzen… Manche sagen es bringt Unglück einer zu begegnen, weil ihnen der Tod anhaftet… anderen wiederum gruselt es vor der Kaltherzigkeit mit der sie ihre Arbeit verrichten. An manchen Orten kam es dazu das trauernde Hinterbliebene ihre Toten nicht gehen lassen wollten und gewalttätig wurden… oder zu einem späteren Zeitpunkt sogar Rache nahmen… Darum tragen heute alle Rußkatzen Mäntel, die ihre Gesichter verdecken… sie geben ihre Identität niemals preis… und niemand fragt, wer sie sind und wohin sie verschwinden. So schützen sich beide Seiten…“ als Kirios zu ende erzählt hatte, sah er zu Tiriana die traurig vor sich auf den Boden starte. „Du musst nicht traurig sein… das ist für uns einfach der Kreislauf der Dinge…“ sagte er. Als sie die Stufen hinaufstiegen bemerkte Tiriana, das es bereits Mittag war. Die Sonne stand hoch am Himmel und das helle Tageslicht brannte ganz entsetzlich in ihre Augen. Kirios, zog sich die Kapuze seines Mantels über den Kopf… da war es wieder das verhasste prickeln, auf der Haut im Schein der Sonne… „Cousinchen, wenn es dir nichts ausmacht lass uns erst einmal zum Haus der Falkenbachs gehen… bis die Sonne etwas tiefer steht… Frau van Brem sich sich sicher freuen…. Und du kommst auf andere Gedanken, wenn….“ er drehte sich zu ihr während er sprach und stockte, als er in ihr bitterernstes und entschlossenen Gesicht sah. Dann sah er, das Tiriana Airijas Puppe Koko in der Hand hielt. „Ich will sie finden… Kirios…. Ich will sie finden und dafür sorgen, das sie bestraft werden… die, die das hier zu verantworten haben!“
  7. Der Tag verlief ruhig. Um die Mittagszeit postierten sie sich wie üblich in der Nähe zum Eingang der Unterstadt, um ein paar Körbe mit Brot und anderen Lebensmitteln an die Leute zu verteilen. Zu Tirianas Überraschung wurden sie dort bereits von Frau van Brem und ihrer Halbschwester Amicia Arandur erwartet, die für die heutige Essensvergabe 2 große Kessel mit Eintopf vorbereitet hatten. Tiriana war zwar überrascht, das Amicia mit anpackte, doch irgendwie freute es sie, das sich selbst ein so zickiges und verwöhntes Weib wie ihre kleine Schwester, hatte davon anstecken lassen etwas für die schlechter gestellten Bewohner der Stadt zu tun. Nach der Mittagszeit teilte sich die Gruppe auf. Während sich Frau van Brem und Amicia auf den Weg machten, um ein paar Krankenbesuche zu machen, eskortierten Maldur und Denethor ein Grüppchen Fahlländerinnen in den Wald vor den Toren der Stadt, um für die Herstellung von Sonnenschutzsalbe neue Kräuter zu sammeln. Tiriana und Kirios bepackten sich derweil mit dem restlichen Hilfsgütern vom Wagen und stiegen hinab zur Unterstadt. „Wo wollen wir mit all dem Zeug überhaupt hin?“ fragte Kirios während sie die Stufen hinabstiegen. Tiriana stöhnte genervt auf. „Zu denen die „das Zeug“ am dringendsten nötig haben.“ antwortete Tiriana knapp. „Und woher weißt du: Wer das ist?“ fragte er und versuchte ebenso genervt zu klingen. Tiriana sah zu ihm hinüber. „Ich habe keine Ahnung!“ antwortet sie und grinste. Verwirrt zog Kirios die Augenbrauen hoch…. „Ah...ja…. Was soll das nun wieder heißen? Langsam habe ich das Gefühl bei dir is ne Schraube locker, Cousinchen!“ Tiriana zog eine Grimasse. „Vertrau mir einfach, es gibt da jemanden, der uns helfen wird!“ Sie marschierten eine Weile durch die engen, finsteren Gassen. Kirios sah sich immer wieder um. Hier unten war es anders als auf den Gassen oben am Tageslicht. Oben trafen sie immer wieder auf Leute, die sie freundlich Grüßen oder ihren ein Lob für ihre Mühe aussprachen. Hier und da bot man ihnen sogar Hilfe an. Doch hier unten beäugten sie viel Gefallene missmutig… manche sogar verärgert oder gar abweisend… die Stimmung war angespannt. Nur wenigen Leuten schienen hier ein Mitglied des Rat des Volkes willkommen zu sein. So wie der Rat sich um die Probleme der Gefallenen kümmerte wunderte das wohl niemanden! Allerdings schien das Tiriana nicht weiter zu kümmern, forsch schritt sie in der Dunkelheit voran, ihr Blick auf ein Ziel fokussiert. Bis sie zu einen Gasthaus kamen vor dem jemand auf einem Holzfass hockte und eine muntere Melodie auf einer Flöte spielte. „Wir sind spät dann, verzeih!“ rief Tiriana der Gestalt zu. „Es ist mir eine Freude euch wieder zu sehen, Ratsherrin Arandur!“ der Jemand unterbrach sein Spiel, sprang von dem Fass hinab und senkte höflich den Kopf. Kirios beäugte die fremde Person missmutig… Unter einer Kapuze lugte schwarzes Haar hervor und ein paar tiefgrüne, wachsam blickende Augen. Die Gesichtszüge waren sehr Feminin, doch hübsche, üppige, frauliche Kurven konnte Kirios unter dem eng anliegenden Mantel, der scheinbar nur aus einem grünen Tuch bestand, nicht ausmachen. Einen kurzen Moment erwischte er sich selbst dabei, Enttäuschung zu empfinden, doch dann rief er sich zur Ordnung. Jetzt war nicht die Zeit für so etwas. „Ich habe heute jemanden dabei, Kirios Arandur! Er gehört zur Familie meines Vaters.“ stellte Tiriana vor. Kirios nahm die Hand der Fremden und deutete einen Handkuss an. „Sehr erfreut, Verehrteste!“ In den Moment brach Tiriana neben ihm in schallendes, biestiges Gelächter aus. Kirios schielte verärgert zu ihr hinüber. „Kirios… das ist Lear Estel. Airijas ältester Bruder!“ prustete sie hervor… Kirios sah wie vom Donner gerührt zu Lear hoch, der seinerseits unverändert freundlich lächelte. „Freut mich….Kirios….“ erwiderte er. Kirios ließ Lears Hand los und richtete sich rasch wieder auf. „Lear hält hier unten für mich die Augen offen. Ich kennen niemanden, der sich so gut hier auskennt wie er.“ erklärte Tiriana nachdem sie sich wieder beruhigt hatte. „Soso...“ knurrte Kirios verärgert. Sein Irrtum war ihm sichtlich peinlich. Tiriana wendetet sich wieder Lear zu. „Sag Lear, wie geht es Anra? Ist es schon da?“ fragte Tiri den Alb. Lear lächelte verlegen. „Anra geht es gut, ihr Bauch wird jeden Tag runder! Aber bis zur Geburt dauert es noch ein paar Wochen.“ antwortet er. „Wir sollten sofort aufbrechen! Wir haben viel zu tun!“ fuhr er fort. Tiriana und Kirios folgten ihm durch die Gassen. Lear führte sie zu den Häusern derer, die die Armut am schlimmsten getroffen hatte und es dauerte nicht lange, bis die wenigen Güter, die sie hatten mit sich tragen können verteilt waren. Hier und da kam es vor, das die Bewohner voller Hoffnung Bitten aussprachen… Tiriana ließ Kirios immer wieder Dinge notieren. Seien es nun Waren, die so schnell es nur möglich zu den Bewohnern der Unterstadt gebracht werden sollten, oder die Namen von Leuten, mit denen es anging zu verhandeln. Als sie eine Weile Fußweg bis zum nächsten Haus auf Lears Liste hatten zischte Kirios zu Tiriana: „Warum hörst du dir all das Flehen an? Du wirst es nur schwer schaffen, all diese Wünsche zu erfüllen!“ er blättere in seinem Notizbuch herum und beäugte die Einträge kritisch. Tiriana sah ihm offen in die Augen. „Ich weiß… darum verspreche ich niemandem etwas. Doch ich will tun was ich kann… und manchmal hilft es schon Anteilnahme zu zeigen, auch wenn man nicht helfen kann…“ Kaum hatte sie zu ende gesprochen sah sie, wie ein anderer Alb mit angstverzerrtem Gesicht auf Lear zu rannte und ihm etwas zuflüsterte. Lears Augen weiteten sich und Tiriana hatte das Gefühl, das jede Farbe aus seinem ehe schon fast weißen Gesicht schwand… Sie blieb stehen. Ein ungutes Gefühl legte sich wie ein Seil um ihren Hals und schnürte ihr Kehle zu. „Lear, was ist geschehen?! Sag schon...“ fragte Tiriana. Kirios sah, wie sie den Gurt ihrer Tasche mit zitternden Händen drückte. Lear sah langsam zu Tiriana hinüber. „… es ist Airija…… ich muss heim...“ Lear drehte sich um und rannte los. Ohne darüber nach zu denken preschte auch Tiriana los. Wie von Sinnen rannten die Beiden die Straßen entlang zum Haus der Familie Estel… Kirios hatte es mit seinem Gepäck etwas schwerer ihnen zu folgen. Doch nach einer Weile erreichte auch er die Behausung. Als er durch die Tür trat, die nur mit einem löchrigen Stück Stoff verhangen war, bot sich ihm ein grauenvolles Bild. In einem Bett in der Ecke eines Zimmers lag das kleine Mädchen, das er am Morgen noch am Markt gesehen hatte… Sie war reglos und um den Kopf, eher schlecht als recht gebunden, trug sie einen blutgetränkter Verband… Neben dem Mädchen hockte eine ältere Dame, die bitterlich weinte und immer wieder wehklagte: „Mein Kind… mein armes Kind...“ neben ihr hockte Tiriana, die scheinbar keinen Ton mehr heraus bekam und voller entsetzen einfach starr auf das Mädchen blickte. Lear stand am Fußende des Betts und vergoss mit wutverzerrtem Blick tränen. „Was ist mit ihr passiert….“ fragte Tiriana in Richtung des Gefallenen, der Lear die Nachricht gebracht hatte. Es war ein junge Mann mir kurzem, grauweißen Haar, der mit mitfühlendem Blick etwas vom Bett entfernt an einer Wand stand. „Ich weiß es nicht genau… Ich habe nur gesehen, wie ein paar Männer sie gepackt haben... Sie wollten ihr irgendwas wegnehmen… Aber Airi hat sich gewehrt, hat den fiesen Fettsack in die Hand gebissen…. Er hat losgelassen und dann ist sie gefallen… die Mauer hinunter… Sie ist mit den Kopf aufs Pflaster geschlagen… Ich wollte ihr helfen, doch ich war viel zu weit weg… Frau Estel… vergeben sie mir, das ich Airi nicht helfen konnte…“ „Ein Medicus…. Wie brauchen jemanden der Airi helfen kann…“ stammelte Tiriana. Sie blickte sich um, doch niemand rührte sich. „Eine Heilkundige war bereits hier… etwas anderes können wir uns nicht leisten… aber auch sie konnte nichts für Airija tun… Ihr Herz schlägt und sie atmet noch… Doch sie liegt hier wie tot…. Wenn sie nur aufwachten würde…“ erwiderte Airis Mutter und kämpfte erneut mir den Tränen. Tiriana erblickte Kirios, der noch immer in der Tür stand… sie sprang auf, lief zu ihm und zog ihn am Arm in Airijas Richtung. „Er kann uns helfen…!“ sie zog an seinem Arm und sah ihn dann mit einer Mischung aus Erwartung und Hoffnung an. „Kirios mit deiner Magie… kannst du uns Airi zurück bringen? Das kannst du doch… bitte… Miriam… bitte erlaubt es…“ Ihr Blick ging zwischen Airis Mutter und Kirios hin und her. Kirios spürte, wie die Hände die seinem Ärmel gepackt hielten zitterten. Auf dem Gesicht von Miriam Estel blitze ein kurzer Hoffnungsschimmer auf… Kirios seufzte. „Tiriana ich kann versuchen in ihren Geist ein zu dringen und ihr einen Weg zurück zu weisen… aber ob das klappt weiß ich nicht…“ sagte er. Miriam blickte Kirios flehend an. „Wenn ihr fähig seid meine Tochter zu retten… bitte helfen uns.“ Kirios wendete seinen Blick auf das Mädchen. „Also gut… ich werde tun was ich kann…. Nehmt bitte etwas Abstand.“ Er setzte sich auf die Bettkante und zog ein Pentel hervor, das er bei sich in der Innentasche seiner Weste trug, wie ältere Herren es pflegten eine Taschenuhr zu tragen. Kirios konzentrierte sich und brachte seinen eigenen Gedanken so gut er nur konnte zur Ruhe… Langsam begann er das Pendel in der linken Hand zu schwenken, beugte sich etwas vor und berührte abwechselnd mit der rechten Hand seine Stirn und dann die von Airiaja um den Zauber zu wirken. Tiriana sah gebannt zu… >>Bitte du musst Airi retten… bitte Kirios… sag uns, das alles wieder gut wird.<< dachte Tiriana… Es verstrich eine ganze Weile, bis sich Kirios wieder regte. Er richtet sich wieder auf und steckte das Pendel weg. Einen Moment lang ruhte sein Blick auf Airija… dann sah er zu Tiriana und Miriam hinüber… „Es tut mir sehr leid… aber ich kann nicht helfen… Airijas Geist… ist fort…“ sagte er. „Was soll das bedeuten? Aber meine Tochter lebt doch noch...“ Airijas Mutter schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. „Ja ihr Körper lebt… doch mit meiner Magie… fühle ich nichts mehr von ihrem Geist… Keine Gedanken… keine Gefühle… keine Erinnerungen… einfach gar nichts… nur Dunkelheit… und Stille…“ Miriam bebte und begann zu weinen. Kirios zögerte… in dem Moment, in dem er seinen Geist geöffnet hatte, um nach Airijas Geist zu tasten, hatte er ebenfalls die Verzweiflung und die Ängste der anderen im Raum gespürt… Die Gefühle waren wie eine gewaltige Flutwelle über hin eingebrochen. Auch wenn er wusste, das es für die Familie nur noch schmerzlicher werden würde wenn er die Wahrheit zurück hielt, schmerze es ihn weiter zu sprechen. „Ich glaube nicht, das sie jemals wieder aufwachen wird… das gnädigste wird sein… wenn ihr sie gehen lasst….“ erklärte er und versuchte möglichst einfache Worte zu verwenden. Airijas Mutter trat wieder an das Bett heran und strich ihrer Tochter liebevoll über den Kopf. „Meine kleine Airija, mein armes Kind...“ Dann hob sie den Blick uns sah zu Kirios. „Ich glaube euren Worten.“ Sie sah zu Lear. „Geben wir ihr nichts mehr von der Medizin der Heilerin… lassen wir sie in Frieden gehen...“ Ihr Blick wandere von Lear zu Tiriana…. „Hier mein Kind… nimm die hier… ich denke Airi würde wollen, das ich sie dir gebe...“ Airijas Mutter hielt ihr Koko, Airijas Puppe, entgegen. „Von jetzt an soll Koko über dich wachen! Ich danke dir… du hast meiner Tochter viel Freude geschenkt...“ Tiriana sagte nichts… stumm nahm sie die Puppe und drückte sie an sich. „Habt vielen Dank edler Magier… ihr solltet euch nun um Tiriana kümmern….“ sagte Miriam. Kirios nickte, deutet eine Verbeugung an und trat dann an Tirianas Seite. „Wir sollten gehen...“ sagte er sanft und leise. „Nein!“ erwiderte Tiriana. „Wir sollten sie in ruhe Abschied nehmen lassen...“ seine Stimme war immer noch sanft doch bestimmter als zuvor. „NEIN! Ich will hier bleiben!“ kreischte Tiriana… sie begann zu beben und sank dann auf die Knie… sie drückte Koko fest an sich und weinte… Noch in der gleichen Nacht… hörte Airijas Herz auf zu schlagen… Es war ein stiller Moment in dem sie ihren letzten Atemzug tat…. Und auch wenn in den vergangenen Stunden das Ende mit einer unausweichlichen Gewissheit näher gerückt war… beweinten sie alle den Moment des endgültigen Abschieds… Tirianas Blick war starr am Airis Bett geheftet, als Lear die Kerze an ihrem Bett löschte, seiner kleinen Schwester einen Kuss auf die Stirn gab und ihr Gesicht dann mit einem Tuch bedeckte. Sie beobachtete wie Lear eine kleine Kerze aus der Schublade eines kleinen Schrankes nahm. Er ging vors Haus platzierte sie in einem Windlicht aus rotbraunem Glas und hing es an einen Hacken, der aus einem der Balken herausragte und entzündete die Flamme… nur kurze Zeit später sah Tiriana wie die Nachbarn aus ihren Häusern kamen, um es ihm gleich zu tun. „ Was tun sie da?“ flüsterte Tiriana Kirios zu, der neben ihr an die Wand gelehnt gesessen und sie getröstet hatte. „Das ist ein sehr alter Brauch unter Gefallenen. Der Schein des Kerzenlichtes beklagt, das ableben einer geliebten Seele… Wird ein solches Seelenlicht entzündet, besagt es der Brauch ebenfalls vor seinem Haus ein Licht zu entzünden, um der verstorbenen Seele den Weg an die Oberfläche und ins Jenseits zu weisen. Zudem ist es ein Akt der Mitgefühl und des Betrauerns! Airija war ein sehr strahlendes Mädchen… heute Nacht werden bestimmt viele Lichter für sie leuchten…“ erklärte er ihr. Tiriana stand auf trat vor die Tür des kleinen Hauses… Ihr Blick wanderte die Straße entlang… Lichter… überall an den Häuser und auf den Fensterbrettern… unzählige Lichter… Die Straße hinauf und hinab…. sie tauchten die dunklen Gassen in ein warmes. schummeriges Licht... es hatte etwas tröstendes... Als Kirios zu ihr hinauskam sagte Tiriana: „Du hattest recht... ein wahres Meer von tausenden Lichtern….“
  8. Einige Tage später .... Tiriana schultere ihr Tasche und verließ eiligen Schrittes das Hauptverwaltungsgebäude des Rat des Volkes. Sie war stets froh, wenn sie die Besuche dort kaum Zeit kosteten. Doch sowohl Denethor Tagal als auch Kirios Arandur bestanden darauf, das sie sich regelmäßig dort blicken ließ. Seid sich Kirios zu ihnen ins Lager gesellt hatte, um Tiriana zu unterstützen, waren sich die Beiden für Tirianas Geschmack sowieso schon seit geraumer Zeit viel zu einig miteinander. Eilig machte sie sich auf den Weg in Richtung des Marktplatzes. Auf dem Weg traf sie hier und da auf bekannte Gesichter. Bürger und Händler gleichermaßen, die sie freundlich Grüßten. Als Tiriana die Bäckerei des Ehepaar Draas betrat und die Bäckersfrau sie mit einem freundlichen Lächeln fragte: „Das übliche. Liebes?“ wurde Tiriana bewusst, das sich auch in dieser unwirklichen Welt, die ihr die Gassen der Hauptstadt boten, langsam eine Art Routine entwickelt hatte. Etwas das ihr in der ersten Zeit in Aramat schmerzlich gefehlt hatte. Nach einem kurzen Plausch mit der Bäckersfrau setzte Tiriana ihren Weg zum Marktplatzes fort. Grade als sie um eine Ecke bog und nur knapp einem Reiter ausweichen konnte, hörte Tiriana hinter sich eine junge, quirlige Stimme rufen: „Ratsherrin Arandur!“ Als sie sich umsah, sah sie ein kleines Mädchen mit langen, schwarzen Haar und strahlend blauen Augen auf sich zulaufen. Breit grinsend umarmte das Mädchen Tiriana ohne auch nur einen Anflug von Scheu zu zeigen. Tiriana spüre wie sich ihre Laune schlagartig hob. „Aber Airija, du sollst doch Tiriana zu mir sagen!“ sagte Tiriana sanft und erwiderte die Umarmung des kleinen Mädchen. „Wo warst du denn so lange?“ „Ich war in daheim in Aspio.“ „Boa! In Aspio? Is es schön da? Darf ich irgendwann mal mitkommen wenn ich groß bin? Hast du deine Familie besucht? Sind die auch so nett wie du? Ach, ich freue mich so, das du wieder da bist!“ Airijas Augen strahlen und sie grinste von einem Ohr bis zum andern, während die Fragen nur so aus ihr heraussprudelten. „Wie geht es deiner Mutter? Hat die Medizin geholfen? Haben Skali und Ajali nochmal nach ihr gesehen während ich weg war?“ Airija nickte vergnügt. „Ja! Die beiden waren unheimlich lieb zu meiner Mama und mir! Mutter ist fast wieder gesund. Sie näht schon wieder! Und ich helfe auch! Ich trage die Aufträge aus!“ stolz präsentierte die kleine Albin Tiriana das Körbchen, das sie über den Arm trug. Darin lagen 3 Bündel Stoff. „Bist du etwa ganz alleine Unterwegs?“ Eine Sorgenfalte zog sich über Tirianas Stirn. Schuldbewusst blickte Airija zu Boden. Doch dann zog sie eine ziemliche schmutzige und auch sehr verschlissene Stoffpuppe unter den Bündeln hervor. „Ich weiß du hast gesagt wir sollen lieber in Gruppen durch die Stadt laufen. Aber ich bin ja nicht ganz alleine! Koko ist bei mir!“ verschmitzt grinsend hielt Airija die Puppe Tiriana entgegen. „Oh… ähm… Koko dann sag Airi, das sie trotzdem sehr gut auf sich aufpassen muss! Hier oben kann es gefährlich sein!“ flüsterte Tiriana der Puppe recht laut zu. Airija zog die Puppe wieder zu sich und hielt sie sich ans Ohr, und tat so, als würde Koko ihr etwas zuflüstern. „Oh! Natürlich Koko! Das mache ich!“ Dann wandte sie sich wieder Tiriana zu. „Ich habe heute sogar von einer sehr freundlichen Dame 5 Groschen mehr bekommen, als sie hätte bezahlen müssen! Davon werd ich ein frisches Brot kaufen! Damit Mama schnell wieder zu Kräften kommt!“ fuhr Airija fort. „Deine Mama kann sehr stolz auf dich sein! Aber behalte das Geld lieber!“ erwiderte Tiriana und drückte Airija die Tüte mit ihrem Frühstück in die Hand. „Schenk ich dir. Habe doch keinen richtigen Hunger. Probier mal die sind echt lecker!“ Tiriana lächelte. Airija sah Tiriana mit großen Augen an und schielte dann neugierig in die Tüte hinein. Der Duft von frischen Weißbrötchen stieg dem Mädchen in die Nase. Sie griff in die Tüte und zog eins der Brötchen heraus. „Die sind ja noch warm….“ sagte das kleine Mädchen und klang schon fast ein wenig ehrfürchtig. Vorsichtig, biss sie ein kleines Stück davon ab. Als sich der süßliche Geschmack in ihrem Mund ausbreitete, biss sie hastig noch ein paar Bissen mehr von dem Brötchen ab. „Mach langsam! Das nimmt dir keiner weg...“ hörte Airija Tiriana sagen. Beschämt blickte sie auf den Boden. „Dangeschfööön!“ prustete Airija mit halb vollem Mund hervor und umarme Tiriana ein weiteres Mal. „Ich muss nun weiter zum Markt, schau schnell das du Heim kommst vor der Mittagssonne!“ sagte Tiriana und zog der kleinen die Kapuze ihres ziemlich verschlissenen Mantels wieder über den Kopf. „Das ist ja toll, dann kann ich bis dahin mitkommen.“ jubelte Airija. Gemeinsam setzten die Beiden ihren Weg fort. Dort angekommen gesellte sich Tiriana zu ihren Leuten. Maldur, Denethor und auch Kirios standen bereits neben einem Karren und warten auf sie. Airija winkte ihnen wild zum Abschied und verschwand dann im Gedränge. „Wer war die Kleine?“ fragte Kirios während Tiriana ihre Tasche mit den Unterlagen auf dem Karren verstaute. „Ihr Name lautet Airija. Ihre Familie lebt in einer kleinen Behausung in der Unterstadt… Sie kam vor ein paar Wochen ganz allein bis zur Scheue vor die Tore der Stadt, um uns um Hilfe für ihre kranke Mutter zu bitten.“ antwortete Tiriana. „Ganz allein? Sie ist doch kaum älter als 6 oder 7 Jahre?“ „Airija ist schon 8 Jahre alt! Und sie ist ein sehr tapferes und starkes Mädchen! Sie hilft ihrer Mutter mit all ihrer Kraft!“ wieder legte sich ein lächeln über Tirianas Gesicht. „Ich bin so froh, das die Medizin, die wir ihr geben konnten geholfen hat.“ fuhr sie fort. Kirios bemerkte ihr Lächeln. „Du scheinst die Kleine ja seeeeeehr zu mögen!“ wisperte er ihr zu und klang ein wenig gehässig dabei. „Wie könnte man dieses Mädchen nicht mögen, das trotz all dem Leid hier immer noch so herzlich Lachen und Freude empfinden kann?“ Ihre Stimme verriet, das Tiriana keines falls vor hatte sich von Kirios ärgern zu lassen. Doch auch wenn Tiriana es sich ungern eingestand hatte sie die kleine Albin sehr lieb gewonnen. Sie erinnerte Tiriana ein wenig an sich selbst und zugleich bewunderte sie Airija, weil sie in so jungen Jahren so viel stärker und mutiger war als sie selbst es damals gewesen war…
  9. ~~oOo~~ Ein Meer von tausenden Lichtern ~~oOo~~ Die Sonne war noch nicht aufgegangen als das Luftschiff aus Aspio den Luftschiffhafen der Hauptstadt Aramat bald erreichen würde. Tiriana Arandur hatte versucht während der Überfahrt etwas zu dösen, doch die Nacht war eisig kalt gewesen und ihr Kopf war so vollgestopft mit Gedanken, das sie keinen Schlaf gefunden hatte… Das sie, wenn sie nach so langer Zeit wieder nach Aspio reisen würde, wohl dem ein oder anderen bekannten Gesicht über den Weg laufen würde, das war ihr völlig klar gewesen. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet in der Taverne des Gefallenenviertel auf Terra Rivaas de Mathis und Avalon Thehedir zu treffen… Ihr Streit mit Avalon am vergangenen Abend lag ihr schwer auf der Seele. >>Nutze die Macht, die du im Rat hast, um deine Ziele zu erreichen!<< Schallte seine Stimme in ihrem Kopf nach… Ein leises: „Tzzzzh!“ entfuhr ihr. Wieso bei allen Schattenwesen dieser Welt verstand dieser elende Saufbold und Schützenjäger von einem mittelklassigen Schwertkämpfer denn nicht, das sie jedes Vertrauen in den Rat – Begründet! – verloren hatte? Sie war zwar selbst noch ein Teil des Rates und hatte Pflichten und das sie diesen eher mittelmäßig nachkam, das lag wohl offen auf der Hand. Doch sie hatte beschlossen, aus ihrer Position so lange sie konnte ihren Vorteil zu ziehen. In den vergangenen Wochen war sie so vielen Dummköpfen begegnet, die sich etwas davon versprachen, sich bei einem Ratsmitglied einzuschleimen, da sie es längst aufgegeben hatte mit zu zählen. Doch das Avalon sie wegen ihres geringen Engagement im Rat getadelt hatte, war nicht das, was an ihr nagte. Er hatte sich über all ihre Bemühungen dem Volk zur Seite zu stehen lustig gemacht… Er hatte sie verspottet, Mitleid geheuchelt und ihr im überheblichen Ton versucht klar zu machen, das nichts was sie tat... jemals... etwas verändern könnte. „Das ist nicht wahr….“ flüsterte sie sich selbst zu… „du wirst schon sehn….“ >>…..Das, womit du den Meisten helfen kannst auf Lyria, ist es einen Beschluss zur Besserung der Lebensumstände für alle durch zu bekommen…… und entweder du versuchst es, oder du bist für mich nicht stärker als ein Lastenesel…… Du könntest in etwas rein rutschen, womit du dein Leben riskierst, tot bringst du niemanden was….. << Seine Worte schallten unaufhörlich in ihrem Kopf nach. „Ich brauche den Rat nicht, sie werden mir nicht helfen… ich habe mich entschieden… und einfach töten lass ich mich ganz sicher nicht….“ >> Du gehst nun deinen eigenen Weg! Aber versprich mir das du wiederkommst! << Es waren Terras Worte, die in ihr nun ein eher beklommenes Gefühl auslösten… Terra… es hatte so unendlich gut getan sie wieder zu sehen und mit ihr zu reden… Auch wenn ihr Gespräch Tiriana ziemlich zugesetzt hatte… Terra war zurecht sauer auf sie gewesen und hatte sie dementsprechend schroff angegangen. Doch sie konnte es ihr nicht übel nehmen. Zwar bereute Tiriana die Entscheidung Aspio im Stillen allein zu verlassen zu haben nicht… jedoch die Folgen ihrer Entscheidung hatte sie dafür umso mehr gefürchtet… umso erleichterter war sie nun, das Terra ihr verziehen hatte und ihr sogar versichert hatte, das man sie auch daheim mit offenen Armen erwartete. Jedoch hatte ihr trotz aller Erleichterung der Mut gefehlt zum Haus der Familie zu gehen und dort auch Rowen wieder zu sehen. Denn was Terra ihr über Rowen erzählt hatte, hatte keines Fall dazu beigetragen das Chaos in ihrem Herzen zu lindern. Es war eher noch komplizierter und verwirrender für sie geworden. „Ich versteh das nicht….ich versteh das einfach nicht…warum… sag doch warum...“ zischte sie leise hervor und presste Händen gegen ihre Stirn, als könne sie ihre Gedanken so zur Ruhe zwingen. >>Meine Liebe für dich ist endlos….<< Sie erinnerte sich an Rowens Worte auf dem Balkon der Bastionstaverne in Aramat… Beschämt schluchzte sie in sich hinein… Er hatte ihr seine Gefühle offenbart… Er hatte sie gerettet und beschützt, all die Zeit… Wieso nur war sie so unfähig es ihm Gleich zu tun…. sie brachte es ja noch nicht einmal fertig ihm ins Gesicht zu schauen… Sie spürte wie sich in ihr Tränen hoch kämpften. Rasch hievte sie sich hoch, um sich die Beine zu vertreten und sich auf andere Gedanken zu bringen. Aramat war nicht mehr fern. Sie zog sich an der Reling des Schiffes hoch. In dieser Bewegung löste sich eine Schlaufe an ihrem Waffengurt und ihr Schwert fiel zu Boden… entgeistert blickte sie einen Moment lang darauf. Dann ging sie in die Hocke und griff nach der Waffe. Tirianas Blick blieb an dem Edelstein hängen, der in das Kunstvoll gearbeitete Schwertheft eingearbeitet war… Ein Rubin… Rowen hatte dieses Schwert speziell für sie anfertigen lassen und es ihr geschenkt… „Du willst wohl auch nicht das ich kämpfe? Hmm? Aber ich werd kämpfen!“ schwor sie sich. „Ich werde kämpfen… ganz alleine…. Niemand soll mich mehr beschützen… Niemand soll jemals wieder wegen mir in Gefahr sein! Ich will es sein die beschützt! Nein! Ich werde es sein, die beschützt!“ wisperte sie leise und zurrte das Schwert entschlossen wieder an ihrem Waffengurt fest. „Ratsherrin Arandur… wir erreichen Aramat in etwa 20 Minuten!“ es war die Stimme des Kapitän, die sie aus ihren Gedanken riss.
  10. Lautes Krakeelen riss Denethor Tagal aus seinem Schlaf… „Ich habe dich um einen einzigen Gefallen gebeten, Kirios! Um einen einzigen Gefallen!“ „Das ist korrekt... und wie du dich sicher, trotz der halben Flasche Wacholdergeist, erinnern kannst, habe ich dem zugestimmt, wenn du bereit bist uns zu begleiten?!“ „Das geht nicht!“ Denethor rieb sich übers Gesicht, setzte sich auf und blickte zum Eingang des Zeltes, wo Maludur bereits hockte und hinaus spähte. Als er Denethor bemerkte, winkte er ihn hastig zu sich heran. Denethor folgte der Aufforderung. Als er hinaussah, sah er die Löwin an der Feuerstelle stehen. Mit wütendem Blick keifte sie den Fremden an, der sich am Vorabend auch einen Arandur genannt hatte. „Gut wenn du nicht mit uns nach Laurea kommen willst bin ich eben so einverstanden, wenn du nach Aspio ins Haus der Familie Rivaas de Mathis zurückkehrst.“ „Hast du mir vergangene Nacht überhaupt zugehört?!“ keifte die Löwin. „Ja, ich habe jedes einzeln deiner Worte vernommen. Die ausgesprochenen und die unausgesprochenen!“ der Blick des Fahlländers war ernst, jedoch auch ruhig. Die Löwin blickte ihn einen Moment lang an bis sie verstand. Zornig packte sie ihm am Krangen. „Deine Magie… wie konntest du nur… Ich war betrunken...“ Er wehrte sich nicht. „Nein… das war gar nicht nötig um zu verstehen, das du dich wegen „ihm“ hier versteckst.“ „Das ist nicht wahr!?“ zischte die Löwin. „Lüge… du lügst! Du hast bestimmt einen Zauber genutzt!“ „Ich brauche keinen Zauber um zu sehen, wie deine Augen strahlen, wenn du von ihm sprichst... um zu bemerken, wie du kurz dem Atem anhältst, wenn du an ihn denkst… um zu spüren wie dein ganzer Körper zittert bei dem Gedanken, ihm könnte deinetwegen etwas geschehen… um zu lauschen, wie du im Schlaf seinen Namen wisperst… “ Wie gebannt hatte die Löwin seinen Worten gelauscht. „Das ist nicht wahr...“ wiederholte sie und kämpfte mit den Tränen. Verärgert über ihre Sturheit zog der fremde Arandur die Augenbrauen zusammen. „Nun, wenn das so ist, spricht wohl nichts dagegen, wenn ich mein Glück bei dir versuche und mir erst mal als Gegenleistung für letzte Nacht einen Kuss stehle.“ Noch bevor er zu ende gesprochen hatte schlang er seine Arme um sie und zog ihr Kinn zu sich, um sie zu küssen… doch die Löwin stieß ihn weg, holte aus und verpasste ihm eine saftige Ohrfeige. Immer noch kämpfte sie mit den Tränen. „Da scheint er dir ja äußerst egal zu sein, wenn du so hart zuschlägst, liebe Cousine.“ ein fieses Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, während er seine Wange betastete und bemerkte, das seine Lippe leicht blutete. „Was sollte das?!“ die Löwin schüttelte den Kopf. „Wenn du mich nicht verstehen willst!?! SCHÖN! Aber tu sowas nie… niemals mehr wieder!“ „Warum nicht? Unsere Blutline kreuzte sich zuletzt vor 6 Generationen und ich bin nur 10 Jahre älter als du… und du magst mich, so wie du dich an mich geklammert hast letzte Nacht…“ Denethor sah wie die Löwin nach Worten suchte. „Weil… weil ich…“ „Weil dein Herz ihm gehört. Darum!“ Kirios streckte seine Hand nach ihr aus und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich bin deinem Herzog noch nie begegnet, doch ich glaube er teilt keinerlei Begeisterung dafür, das du dich hier ganz alleine im Wald betrinkst, um den Kummer in deinem Herzen zu ertränken!“ Kirios blickte ihr offen in die Augen. „Es tut mir leid Kirios ich kann nicht! Auf mich wartet Arbeit!“ Tiriana wandte sich ab in Richtung der Scheune. Kirios packe sie an Arm. Doch Tiriana riss sich sofort von ihm los und stolperte ein paar Schritte rückwärts. „Lass mich!“ fluchte sie. „Du bist genauso ein Esel wie der Vater! Vermaledeit Sturheit der Arandurs!“ fluchte er. „Du bist doch selber ein Arandur!“ keifte Tiriana zurück. In dem Moment blitzten die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume. Nicht mehr lange und die Morgensonne würde hoch am Himmel stehen. „Ich muss gehen…“ knurrte Kirios. Er zog sich die Kapuze seines Mantel über den Kopf. Tiriana verschwand in die Scheune. Denethor sah Maldur an, der verstand und der Löwin folgte. Er selbst zog rasch seine Stiefel an und rannte dann dem Fahländer nach. An der Stelle wo man durch den Wald hindurch wieder die Straße erreichte holt er ihn ein. „Hey da…. Magier… wartet.“ rief Denethor. Kirios blickte grimmig zurück. „Was wollt ihr von mir!?“ „Die Löwin von Aspio ist eine starke Frau…“ erwiderte Denethor, konnte es jedoch nicht verhindern, das in seiner Stimme ein wenig Verunsicherung mitschwang. Kirios Blick wurde etwas milder. „Sicherlich. Doch wenn ihr zulasst, das sie hierbleibt… wird sie zugrunde gehen… sie braucht den Herzog und seine Zwillingsschwester wie die Luft zum atmen...“ Einen Moment lang sahen sich die beiden Männer an. Dann wandte sich Kirios ab und verschwand im Wald. Denethor sah ihm einfach nach. Im Herzen wusste er, dass der Magier recht hatte. ~~Tage später in Aspio…~~ Kirios stapfte die Straße entlang von der Taverne Duraes Einkehr aus zu einem Gasthof am Stadtrand, wo er sich während der letzten 2 Tage einquartiert hatte. Die Stimme von Terra Rivaas de Mathis klang immer noch in seinem Kopf nach: „Kirios geh bitte! …. GEH einfach!“ Es hörte nicht auf… in seinem Kopf zu hallen… im stillen hofft er, das es Richtung gewesen war, der Schwester des Herzogs alles zu verraten was er über Tiriana Aufenthaltsort wusste… Er stolpere über einen Eimer, der nahe an einer Hauswand gestanden hatte und verhinderte grade noch zu stürzen. „Verfluchter Wacholder… was sie nur alle dran finde…“ Seine Gedanken kreisten immer noch um Terra… er hatte so sehr gehofft, das das junge Mädchen mit dem aschblonden Haar, das er als Nerra de Mantis in Aramat getroffene hatte und die Schwester des Herzogs nicht ein und die selbe Person waren… Doch nun wusste sie, das er ein Arandur war… und sicher verabscheute sie ihn, wie ihr Bruder die Arandurs verabscheute… „Es war richtig… du Dummkopf, sie werden Tiriana retten… und zusammen hier glücklich sein!“ zischte er sich selbst zu. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, an der er sich nach dem Stolperer gestützt hatte, und ließ sich daran hinabgleiten. Zuerst hatte er mit Tiriana gestritten… nun mit Terra… er verfluchte sich, das der Schnaps ihm so vor Augen führte, wie sehr er diese beiden Mädchen mochte… Er blickte zum Himmel empor und sah in der Ferne zwischen den Häusern hindurch die Silhouette der großen Staue der Durae, die über Aspio thronte. „Was schaust du so auf mich herab edle Göttin… verhöhnst du mich auch?… Nur zu… Aber ihr werdet schon sehen… ich beschütze sie… auch wenn sie mich beide nicht brauchen, um Glücklich zu sein…“ der Wacholder in seinem Kopf verschleierte Kirios immer mehr den Blick… und so nickte er ein…
  11. ~~oOo~~ Wacholdergeist -~oOo~~ [~vorrangegangen~) Es war bereist spät und der Nachthimmel lag wie ein tiefblauer Teppich über Aramat. Kirios Arandur hatte die Kapuze seines Mantels tief ins Gesicht gezogen. Er bewege sich leise und flink durch die Straßen ohne erwähnenswertes Aufsehen zu erregen. Sein Ziel lag im Osten außerhalb der Stadtmauern. Seid dem ersten wirklichen zusammentreffen mit Tiriana waren 4 Tage vergangen. Zwar war es Kirios gelungen Amicia wieder zu beruhigen und ihr die Heimreise erst einmal auszureden, doch es bedurfte keiner großen Anstrengung, um zu bemerken, das die Vorfälle sie innerlich sehr belasteten. Tiriana war nicht noch einmal zum Haus der Falkenbachs zurückgekehrt. Es wunderte ihn nicht, und doch gab er zum Teil sich die Schuld dafür. Ihr die gesamte Wahrheit so gebündelt und schonungslos zu offenbaren, war unsensibel gewesen… und wenn ihr Wesen dem von Darion wirklich ähnelte, war es sicher nicht leicht für sie alles zu begreifen… Kirios passierte das Osttor und folgte der Straße ein Stück weit, bis er schließlich eine Weile quertfeldein marschierte. Er hatte die Scheune bei der sich Tiriana die meiste Zeit aufhielt nur einmal aus einiger Entfernung beobachtet und gehegt die Befürchtung, in der Dunkelheit die Orientierung zu verlieren. Doch um die Scheue hatte man Fackeln aufgestellt. Geführt von dem matten Lichtschein, erreichte er sein Ziel ohne Probleme. Trotz, das sie recht einsam im Wald stand war die Scheune noch recht gut in Schuss gehalten. Die Spuren einer alten Straße waren hier noch zu erkennen. Vermutlich hatte einmal eine richtige Straße bis hier her geführt. Neben der Scheue war ein kleiner Unterstand, wo drei Pferde angebunden waren. Zwei kleinere Zelte und 2 Karren sah Kirios von weitem. Alls wirkte wie ein improvisiertes Lager von fahrendem Volk. Neben einem Lagerfeuer, um das man kräftige Baumstämme herumgelegt hatte standen zwei hochgewachsene Männer, die wachsam in die Dunkelheit hineinblickten. Kirios vermutete, das es die beiden Mittelländer waren, mit denen er Tiriana in den letzten Wochen öfter in Aramat gesehen hatte. Er zog sich die Kapuze vom Kopf, atmete tief durch und trat dann auf die Männer zu. Als er hinter den Bäumen hervortrat, hoben sie ihre Waffen. „Wer dort?! Wer seid ihr? Was wollt ihr hier?“ rief der mit der Axt in den Händen. „Guten Abend, die Herren! Kirios Arandur, ich bin hergekommen, um mit Ratsherrin Arandur zu reden!“ sagte er laut, als er bis auf wenige Meter herangekommen war. Die beiden Männer warfen sich kurz einen Blick zu. „Arandur sagt ihr?…“ erwiderte der mit dem Schwert und klang genauso skeptisch, wie er dreinblickte. „Lasst ihn herkommen…“ ertöne eine Stimme hinter den Beiden Männern. Als Kirios an den beiden Männern vorbei blickte sah er Tirianas Kopf, der über einen der Baumstämme hervorguckte. Die Männer gaben den Weg frei und als Kirios näher kam sah er, das der Boden rund um das Feuer großflächig mit Fellen ausgelegt war. Tiriana hatte sich eine Decke über die Beine geworfen, lehnte mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und streckte ihre Füße dem Feuer entgegen, von dem eine wohlige Wärme ausging und das recht angenehm nach Fichtenholz duftete. „Löwin…vielleicht ist es besser wenn… “ begann der Kerl mit der Axt. „Nisch nötig Maldur, lass uns bitte allein. Du und Denethor ihr solltet eusch eine Weile aufs Ohr hauen!“ unterbrach ihn Tiriana und winkte ab. Nach ihrem Gesichtsausdruck zu Urteilen schien ihnen Tirianas Anweisung ganz und gar nicht zu gefallen, doch sie verschwanden ohne ihrem Unmut Luft zu machen in einem der kleinen Zelte. „Ich bitte um Verzeihung, das ich zu so später Stunde noch hergekommen bin….“ begann Kirios. Doch Tiriana winkte ein weiteres Mal ab. „Setzzz disch einfach… is leider nich so vornehm wie bei‘n Falkenbachs hier….“ sagte sie, während sie wie gebannt in Feuers blickte. Kirios ließ sich auf einem der Felle nieder und betrachtete die junge Mittelländerin. „Willse auch?“ fragte sie und hielt Kirios eine recht große, grüne Flasche entgegen, die bereits halb leer getrunken war. Kirios nahm die Flasche zögerlich und schnupperte leicht daran. Sofort stieg ihm der beißende Geruch von starkem Alkohol in die Nase. „Was bei Durae ist das?“ er verzog das Gesicht, schüttelte sich und reichte ihr die Flasche zurück. Tiriana lachte unangebracht schrill, nahm die Flasche zurück, gönne sich einen ausgiebigen Schluck, was dazu führte das sie ein Schaudern überkam. „Selbsgebrannter Wachhholder… den richschig Guten bekommt man nur im Gefallenenviertel!“ antwortete sie mit einer Art Singsang in der Stimme. „Ahja…“ erwiderte Kirios immer noch zögerlich… „Scheint ja ziemlich stark zu sein…“ „Jep….“ entgegnete Tiriana nickte und gönnte sich einen weiteren Schluck aus der Flasche, was sie erneut schaudern ließ. Es leichtes Lächeln kräuselte sich um Kirios Lippen. Er wusste, das Darion keinen starken Alkohol vertrug und er konnte sich kaum vorstellen, das es bei seiner Tochter anders war. „Es tut mir leid, was passiert ist vor 4 Tagen… es war sicher nicht einfach von eurer Familie all das auf einen Schlag zu erfahren! Und was Amicias Verhalten angeht… es tut mir sehr leid.“ Tiriana stellte die Flasche neben sich ab. „Muss es nisch. Ich denke isch kann sie ganz gut verstehen… Sie hatte unseren Vater bisher für sisch allein und …. naja… als uneheliches Kind einer Fahlländerin… sie hatte es sischer nisch einfach… Ist ihre Reaktion auf misch nicht verständlich? Nein, isch bin nisch böse… niemandem… auch Vater nisch… und auch Mandu nisch… “ Tiriana sprach recht langsam. Sie klang müde und der Wacholder machte ihre Zunge schwer. Kirios sah sie verwundert an. „Eine noble Geste… ich bin mir nicht sicher ob ich so einfach verzeihen könnte nach so vielen Jahren...“ Tiriana schüttele den Kopf. „Ich war ja nisch allein. Ich hatte ja Terra und Rowen und die andern Mitglieder der Familie Rivvas de Mathis.“ „Sie sind dir wichtig?“ fragte Kirios. Tiriana nickte. „Sie sinn mir mehr Familie gewesen, als jeder andere…. Ich verdanke ihnen alles….“ Kirios überlegte einen Augenblick, ob er es wagen sollte und fragt dann: „Wie kommt es eigentlich, das dir niemand von ihnen hier zur Seite steht?!“ Tiriana zog verärgert die Augenbrauen zusammen… „Das geht disch gahrrrnichts an...“ sagte sie patzig und nahm noch einen Schluck vom Wacholder. Kirios sah sie einen Moment lang nachdenklich an. Als Tiriana seinen Blick bemerkte schaute sie noch verärgerter drein und wich seinem Blick aus. „Der Rat der Völker… gucksseh dir doch an! Alles aufgeplusterte Geier! Ses interessiert sie doch nur ihre Macht, sonnns nix. Ses dauert nicht mehr lange, dann erhebt sisch das Volk gegen uns… Nuhuuurr mitten Unterschied, desss unsere Nachfolger nisch raten müssen, wer für den neuen Rathsssfall verantwortlich is… das Volk wird den Sitzungsaal einfach mit Schauffeln und Misssstgabeln stürmen…. Und unns zzerteden...“ Tiriana lachte überaus unangebracht amüsiert, was dann in ein Giggeln überging. Sie nahm noch einen Schluck Wacholder und sah dann Kirios offen in die Augen… „Wenn es wirklich so weit kommt, will ich sie alle weit weg von hier und gannzz besonners weit weg von mir... in Sicherheit wissen… besonders Terra und Rowen… Ich habe mir damals geschworen sie zu beschützen…“ Kirios lächelte sanft. „Sie beuten dir wirklich alles...“ sagte er leise. „Jawohl!“ rief Tiriana. „Terra is meine allerbesssste Freundin!… Isch habe sie sehr lieb… nur diesen blöden Sylva Grim mag isch nischt. Ich schwöre, wenn sie noch einmal wegn ihm weint, isser dran!!“ Sie packte den Hals der Flasche und schwang sie wie ein Schwert grade vor sich. Da kein Korken darin stecke vergoss sich ein guter Schwall von den Wacholder über die Decke und das Fell… Tiriana murmelte einen Fluch, stellte die Flasche rasch wieder ab und wischte die Finger an ihrer Hose ab. Ein Moment lang saßen Kirios und Tiriana schweigend nebeneinander und starrten ins Feuer. Bis Tiriana ihre Beine ganz eng anwinkelte, sie mit den Armen umfasste und den Kopf auf ihre Knie stützte. Kirios beobachtete wie sie leicht begann zu zittern und dann hörte er sie leise Schluchzen. Er beugte sich zu ihr und streich ihr tröstend über den Kopf. „Verzeih… ich wollte nichts aufwühlen...“ sagte er mitfühlend. Es bedrückte Kirios sie so aufgewühlt und traurig zu sehen… sie war ihrem Vater definitiv ähnlich, auch er kämpfte mit seinen Gefühlen stets verzweifelt ganz allein. „Ich vermisse mein zu Hause… ich will heim… nach Aspio… ich will zu Terra und Rowen…. Ich will das alles so ist wie früher… Bea soll gemein zu mir sein… und Terra soll mich dann aufmuntern… Rowen mich tadeln, wenn ich was dummes anstelle und ich will… will mich auf dem Übungsplatz mit Avalon streiten….“ Sie weinte bitterlich… Kirios strich ihr einfach weiter tröstend übers Haar, während er mit seinem Gewissen rang… schließlich fasste er einen Entschluss. Er sammelte sein Konzentration und tastete mit seiner Magie nach ihren Gefühlen. Kaum, das er seinen Geist öffnete schwappte ihm ein gewaltiges Gefühlschaos entgegen… Sehnsucht, Verzweiflung, Liebeskummer, Heimweh, der Wille zu beschützen, Fürsorge, verzweifelter Kampfgeist und der Mut Opfer zu bringen. Alles war im völligen durcheinander, wie auf einem Schlachtfeld, auf dem jeder für sich kämpfte und jeder jedem ein Feind war, ohne das es jemals einen klare Sieger geben würde. Kirios überlegte, ob er versuchen sollte dieses Chaos zu lindern, hielt dann jedoch inne… Sie war betrunken und manchmal war es vermutlich besser einfach zu weinen und dem Chaos so etwas Luft zu verschaffen. Er löste die Magie auf und blieb einfach an ihrer Seite sitzen und strich ihr liebevoll durchs Haar. Plötzlich kam ihm die Melodie in den Sinn, die Darion ihm, als sie sich kennenlernten gelernt hatten auf dem Überfahrt nach Laurea vorgesungen hatte. Erst waren die Töne nur in seiner Erinnerung doch dann begann er leise zu summen. Nach einer Weile unterbrach ihn Tiriana. „Das klingt sehr schön...“ sagte sie leise und ihre stimme klang ziemlich verheult. Kirios sah sie lächelnd an. „Das ist die Melodie, die deine Großmutter deinem Vater als Wiegenlied vorsang, als er noch ein kleines Kind war. Leider kenne ich den Text nicht...“ „Summst du es mir nochmal vor?“ fragte sie und klang dabei wie ein kleines Kind. Kirios lächelt, schloss die Augen und summte die Melodie erneut. Es schien eine beruhigende Wirkung auf Tiriana zu haben. Ihr Zittern und das Schluchzen verging, bis sie ganz still wurde und ihr Atem immer ruhiger wurde. Kirios blieb noch eine Weile still neben ihr sitzen und summte. Frau van Brem lief bestimmt schon auf dem Flur des Anwesen auf und ab und erwartete seine Rückkehr, doch er wollte und konnte Tiriana nicht so allein lassen. Als ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, wunderte er sich fast selbst ein wenig, wie schnell die blonde Mittelländerin einen Platz in seinem Herzen errungen hatte. „Tiriana, bist du eingeschlafen?“ wispere er ihr schließlich zu. Sie antwortete nicht. Kirios grinste. Grade als er aufstehen wollte, drehte sie sich zu ihm, schlüpfte unter seinem Arm hindurch und kuschelte sich an seine Brust an. „Bleib hier… nur heute Nacht… bitte...“ murmelte sie und atmete so tief, als würde sie sofort wieder einschlafen. „Bitte, weißt du…. dein Geruch erinnert mich an Rowen...“ „An den Herzog? Sind wir uns so ähnlich...“ fragte er leise. „Nein… kein Stück...“ nuschele sie und schlief ein.
  12. „Nun, ich denke es wird am leichtesten sein, wenn du uns erst einmal verrätst, was dir bereits über deinen Vater und die Familie Arandur bekannt ist?“ bat Kirios und schob Tiriana eine Tasse herrlich duftenden Kräutertee zu. „Nun nicht wirklich viel. Mutter erzählte mir, er sei Mittelländer und sein Name lautet: Darion Arandur. An mehr kann ich mich nicht erinnern. Ich war erst 6 als Mutter starb… ich hatte immer den Eindruck es macht sie sehr traurig über ihn zu sprechen, deshalb….“ ihre stimme brach ab. Kirios lächelte. „Deine Mutter, ihr Name war Maylea Megil?“ fragte er. Seine Stimme klang sanft während er sprach. Amicia, die neben ihm saß sagte nichts. Ihre Haltung war schnurgerade und Tiriana empfand es als äußerst elegant wie sie ihren Tee trank. „Ja das stimmt.“ antwortet sie Kirios schließlich. „Nun, dann will ich etwas Licht ins Dunkel bringen…“ sagte Kirios und begann zu erzählen. Er erzählte von den Wurzeln der Arandurs auf Oredan… von dem Hafen Laurea auf der Insel Hyalmira, welche seit der Flucht zur neuen Heimat der Arandurs geworden war. Er beschrieb ihr Leben dort und ihr Tageswerk. Er riss in wenigen Worten an, wie er selbst Darion kennen gelernt hatte. Und schließlich erzählte er ihr von der Zeit als Darion nach Aspio gegangen war. Tiriana lauschte still Kirios Worten und zog jedes einzelne auf wie ein Schwamm. „Er hat deine Mutter wirklich sehr, sehr geliebt musst du wissen. Ich war damals 10 Jahre alt, als er von einer Reise zurückkam und sagte, er habe die Liebe gefunden und wollte sie bald nach Laurea nachholen…“ Kirios nahm noch einen Schluck Tee bevor er weitersprach. „Als er einigen Wochen später wieder nach Aspio aufbrach, war er voller Hoffnung und Freude… doch er kehrte ohne seine Liebste zurück. Anfangs sprach er gar nicht darüber was geschehen war. Erst mit und mit verriet er, das seine große Liebe, an einen anderen Mann gebunden war… Diesen Mann kann man für Tod gehalten, doch ihr totgeglaubter Gatte war noch am Leben und zu seiner Familie zurück gekehrt.“ wieder nippte Kirios an seiner Tasse, um Tiriana die Chance zu geben, seine Worte zu begreifen. „Ich habe keinerlei Erinnerungen Lynns, Evalinas und Mandus Vater Finnius. Ich weiß nur das er Mutter verurteilte als Ehebrecherin, nachdem ich zur Welt gekommen war und ihm klar wurde, das Mutter mich von einem anderen Mann empfangen hatte.“ sagte Tiriana etwas kleinlaut. Kirios faltete die Hände. „Nun… was genau damals passierte kann ich dir nicht sagen. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Maylea Darion abgewiesen, weil sie vor ihrem Ehemann Finnius große Angst hatte. Wenn es stimmt, was ich herausgefunden habe, hatte man sie als junges Mädchen an ihn verheiratet. Eine Ehe ohne Liebe oder Zuneigung. Vielleicht hatte deine Mutter einfach Angst ihrem Herzen zu folgen?“ Kirios bemerkte Tirianas traurigen Blick, fuhr jedoch fort: „Darion hat damals sehr zurückgezogen gelebt. Er wollte deine Mutter zu nichts zwingen und ihre Entscheidung respektieren. Er versuchte sich abzulenken, reiste ziellos herum, und es kam nicht selten vor, das er sich auf Festen völlig betrank, um seinen Kummer zu vergessen. Zwei Jahre hielt dieser Zustand an, und dann lernte Darion auf einem Fest Amicias Mutter kennen. Sie verbrachten die Nacht zusammen. Als Darion ihr beichtete, das ihre Zweisamkeit allein dem vielen Wein zu schulden war, war Elaine außer sich. Das aus dieser Nacht ein Kind entstanden war, erfuhr Darion erst als Amicia schon älter war. Als er von ihr erfuhr nahm er sie bei sich auf.“ Kirios senkte seine Stimme etwas und flüstere: „Sie ist eine zickige Kratzbürste… Darion hat sie verwöhnt… weil er zu gutmütig ist, nimm dich von ihr in acht, sonst krazt sie dir die Augen aus.“ Amicia verpasste Kirios mit ihrem Ellenbogen einen gezielten Hieb in die Rippen und strafte ihn mit einem bösen Blick. Tiriana husche ein kurzes lächeln über die Lippen. Dann erzählte Kirios weiter: „Etwa 4 weitere Jahre später traf Darion auf einer Reise zufällig in einer Taverne einen sehr heruntergekommen Säufer…Aus Mitleid gab Darion ihm einen Krug Bier aus und der Mann erzählte Darion von seiner elenden Ehefrau, die er vor Jahren verlassen hatte, weil sie Ehebruch gegangen hatte und ihm das Kind eines anderen hatte unterschieben wollen, obwohl sie ihm bereit 3 Kinder zuvor geboren hatte. Hellhörig fragte er den Fremden nach seinem Namen.“ Kirios sah Tiriana offen in die Augen. „Finnius Megil….“ hauchte Tiriana leise. Kirios setzte seine Teetasse ab. „So ist es. Als deinem Vater klar wurde, was das bedeutete reiste er sofort nach Aspio, um nach deiner Mutter zu suchen. Doch in ihrem Haus traf sie nur Mandu Megil an. Wie du dir denken kannst, war Mandu keines falls erfreut Darion wiederzusehen. Mandu kommt sehr nach seinem Vater. Sein Wesen ist Unehrenhaft, Egoistisch und kaltherzig… Er verurteilte Darion dafür das er seine Familie zerstört hatte, das sein Vater sie verlassen hätte, weil Darion seiner Mutter einfach ein Kind gemacht hatte… Das sie nur seinetwegen so hart hatte arbeiten müssen, das sie Krank geworden und gestorben war.“ wieder machte Kirios eine kurze Pause, um die Worte wirken zu lassen. „Als Darion deinen Halbbruder nach dir fragte, sagte er : „Das Balg ist ebenfalls tot… oder hast du geglaubt ich füttere das Ding, das meine Familie zerstört hat.“ Als dein Vater nach Laurea zurück kam, war er wie ein anderer Mensch. Still… in sich gekehrt… Er erzählte mir einmal, das es wohl keinen Weg gäbe, den er beschreiten könnte, um das Leid das durch seine Fehler geschehen ist wieder ungeschehen zu machen… Er steckte von dem Tag an all seine Kraft in seine Arbeit als Hafenmeister von Laurea. Harte, müßige Arbeit von den frühen Morgenstunden bis tief in die Nacht. Arbeit und Hilfe zum Wohle anderer… zum Wohle jener die Hilfe brauche oder sich selbst nicht helfen können. Auch deinem Halbbruder Mandu bat Darion Hilfe an. Doch Mandu lehnte jede Hilfe strickt ab.“ Kirios machte eine lange pause und schenkte sich Tee nach. Dann blickte er Tiriana erneut offen in die Augen. „Dein Vater hat Mandus Worten geglaubt… er hat gelitten viele Jahre. Auch heute noch macht er sich schreckliche Vorwürfe, viele falsche Entscheidungen getroffen zu haben…. Hoffnung... keimte erst wieder in ihm auf, als er erfuhr, das ein Mädchen mit goldblondem Haar aus Aspio zu einem Ratsmitglied in Aramat geweiht wurde. Deswegen entsendete er uns hier her nach Aramat, um dich zu suchen und mit dir zu reden! Dein Vater will dich wissen lassen, das er alles Geschehene zutiefst bedauert und sich nichts sehnlicher wünscht, als das du ihm vergibst und vielleicht bereit bist, die Reise nach Laurea zu wagen, um die Insel die dir hätte eine Heimat sein sollen wenigstens einmal zu sehen. Deshalb, würdest du uns nach Laurea begleiten?“ Tirana wusste nicht was sie sagen sollte zu alle dem… die Röte stieg ihr in die Wangen in ihrem Kopf schwirrten so viel Gedanken, das sie keinen davon zu fassen bekam. Tiriana blickte zu Kirios. Sein Blick war unverändert sanft, verständnisvoll und ruhig, was das Gefühlschaos in Tiriana ein wenig linderte. „Es ist äußert unhöflich nicht zu antworten!“ Amicia Hand fuhr herunter und sie setzte ihre Teetasse unsanft auf der Untertasse ab. Kirios warf ihr einen ermahnenden Blick, was Amicia nicht entging, aber doch ignorierte. „Ich weiß eure Bemühungen mich zu finden, sehr zu schätzen… aber ich kann euch derzeit nicht begleiten...“ Tiriana versuchte ruhig und gefasst zu klingen. „Ach und wieso nicht? Was ist so wichtig?“ Amicia legte provokant die Hand an die Stirn als wollte sie angestrengt überlegen: „Brot verteilen an Bettler? Dich anbiedern bei einfachen Volk? Mitgefühl heucheln für Kranke, Schwache und Totgeweihte?“ „Amicia, das reicht!“ ermahnte sie Kirios verärgert. Doch Amicia sprach ohne ihm Beachtung zu schenken weiter: „Nun sag schon, Schwester?! Was soll dieses gutmütige Getue?! Hat dir das die Familie diese Herzogs beigebracht? Das man mit genug Geld und scheinheiliger Güte alles erreichen kann? Hast du überhaupt schon einmal drüber nachgedacht, das dein Handeln auch Unmut streut auf den Gassen? Du weckst blind Hoffnungen bei jenen, die Schwach sind… ohne an die Folgen zu denken… Zu glauben, das man allen helfen kann…. Ist nicht nur dumm… sondern Heuchelei!“ Amicia die Tiriana herausfordern, provokant und überheblich anblickte hielt inne ehe sich ein amüsiertes Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. „Hast du nichts dazu zu sagen? Dachte ich mir doch!“ Amicia stand auf und stolziert aus dem Zimmer. In ihrem Gästezimmer angekommen begann sie damit wild Gegenstände in einen Reisekoffer zu werfen. Sie war wütend und in diesem Moment unfähig zwischen der Wut auf Tiriana und auf sich selbst zu unterscheiden. Sie zog hastig die Schubladen der Kommode neben dem Bett auf auch ihr Inhalt ergoss sich im wilden durcheinander in den Koffer. „Das war äußert unpassend von dir!“ Kirios war ihr nachgegangen und lehne im Türrahmen. Amicia vermied es sich zu ihm umzudrehen. „Irgendjemand musste dieser Heuchlerin die Augen öffnen?“ erwiderte sie patzig und warf einen Parfumflakon in den Koffer. Er zerbrach, worauf sich ein äußerst aufdringlicher Geruch nach Maiglöckchen ausbreitete. „Ist das so, liebes Cousinchen? Und was hast du nun vor?“ fragte Kirios mit gekünstelter Überraschung. „Ja das ist so… Ich kehre nach Laurea zurück….ich lasse nicht zu, das diese… diese Person….“ Amicia suchte angesengt nach Worten, doch scheinbar gelang es selbst ihr nicht ihren Abscheu in Worte zu fassen. Immer noch vermied sie es Kirios anzuschauen und drehte ihm vehement ihren schmalen Rücken zu. Sie hörte seine Schritte auf dem hölzernen Boden und wehrte sich nicht, als er seine Arme um sie legte… „Was stört dich eigentlich mehr an ihr? Das sie nicht so böse ist, wie du es ihr unterstellen willst, oder das sie Darion so unfassbar ähnlich ist?“ „Geh und lass mich allein.“ hauchte Amicia… sie wusste selbst, das Kirios recht hatte und ihr tat leid, was sie Tiriana an den Kopf geworfen hatte… doch wie so oft war es ihr stolz, der ihr den Weg versperrte. Als Tiriana an diesem Abend zur Scheue zurückkehrte blickte sie in gleichermaßen besorgte als auch erleichterte Gesichter. Doch zog sich zurück… nach reden, war ihr ganz und gar nicht zumute.
  13. Tiriana konnte gar nicht genau sagen, wie lange sie Amicia noch angestarrt hatte, bis der junge Mann den sie Kirios genannt hatte, sie mit einer Einlandung sie zu ihrem Haus zu begleiten, aus ihren Gedanken gerissen hatte. „Wir sind zu Gast im Haus eines Freund eures Vaters. Ich bin mir sicher, das es ihm nichts ausmacht, wenn ihr uns begleitet! Zudem denke ich sind wir alle völlig durchnässt und können eine heiße Tasse gut vertragen.“ sagte er. Tiriana schreckte aus ihren Gedanken auf und sah an sich herab. Ihre Kleidung war völlig durchnässt und verdreckt und klebten an ihr, wie eine zweite Haut. Dann sah sie wieder zu Amicia, die den Umhang eng um sich zog um zu verbergen wie zerrissen ihr Kleid war. „Ich bin mir sicher Amicia würde sich auch sehr darüber freuen, wenn ihr uns begleitet. Immerhin habt ihr sie beschützt!“ setzte Kirios nach. Amicia funkelte Kirios böse und gab sich keinerlei Mühe mit ihrem Gesichtsausdruck zu verbergen, das sie dieser Vorschlag eher echauffierte als erfreute. Kirios wartete einen kurzen Augenblick und dann sah Tiriana, wie er Amicia über die Schulter hinweg sehr ernst und fordernd anblickte. „Gewiss!“ zischte die junge Fahlländerin mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Zusammen machten sie sich auf den Weg. Kirios ging voran. Tiriana fiel auf, wie ruhig sein Blick war. Seine ganze Haltung, strahlte Ruhe und eine Art Ausgeglichenheit aus. Amicia ging dicht hinter ihm. Tiriana viel auf, das Amicia ein ganzes Stück kleiner war als sie selbst und neben Kirios, der sie noch ein Stück überragte, wirkte sie fast wie ein Kind. Ihr Blick war ernst und ihr gesamter Gesichtsausdruck spiegelte deutlich Verärgerung wieder. Eine gewisse Art von Arroganz und Kälte, doch ihr Gefühlt sagte Tiriana, das das nicht alles sein konnte. Tiriana selbst war ein völliges Nervenbündel. Sie war so unvorbereitet auf diesen Moment, wie sie es nur hätte sein können. Als Kind hatte sie sich eine ganze Weile lang immer wieder gefragt, ob ihr Vater noch lebte und ob sie noch andere Verwandte durch ihn hatte. Natürlich wusste sie, das sie nicht die einzige war, die den Namen Arandur trug. Es gab hier und dort immer wieder vereinzelt Arandurs, doch sie hatte nie davon gehört, das einer dieser Arandurs nach Aspio gekommen wäre um nach einem Kind zu suchen…. Und da sie von ihrem Vater auch nichts weiter wusste, außer das sein Name Darion gewesen war… hatte sie den Wunsch nach ihm zu suchen immer wieder tief in ihrem Herzen eingeschlossen. Außerdem hatte sie ja Terra und Rowen und die anderen Mitglieder der Familie Rivvas de Mathis, die sie mindestens genauso sehr liebte wie eine Familie. Und wenn sie ehrlich war hatte sie damals Angst davor gehabt, das Terra und Rowen nicht mehr ihre Freunde sein würden, wenn sie sich ihren richtigen Papa wünschte... Zum ersten Mal wurde ihr richtig Bewusst, das sie über diese Sache nie mit den Zwillingen gesprochen hatte und auch sonst mit niemandem. Terra hätte es bestimmt nicht gefallen, das sie mit 2 völlig fremden mitging die behaupteten zu ihrer Familie zu gehören. Doch ihr Gefühl sagte ihr, das sie Amicia und Kirios trauen konnte. Sie konnte nicht greifen woher dieses Gefühl kam. Doch sie spürte es deutlich. Auch wenn ihre Schwester kalt und arrogant zu sein schien, Tiriana wollte sie kennenlernen… sie wollte die Chance auf keinen Fall verstreichen lassen. Nach einer Weile kamen sie zu einem Haus, im Süden des Menschenviertel von Aramat. Über dem Türklopfer war ein kleines Messingschild, in das der Name Falkenbach eingraviert war. Als sie das Haus betraten kam ihnen eine kleingewachsene, rundliche Frau entgegengelaufen. Sie hatte ihr kupferrotes Haar zu einem Kranz geflochten. Auf ihrer Nase hockte eine Brille mit schmalen, halbmondförmigen Gläsern und ihre haselnussbraunen Augen blickten fürsorglich und freundlich drein. Sie trug ein einfaches grünes Kleid und darüber eine Schürze. „Kirios, mein Junge, Asthal sei Dank, du hast das junge Fräulein gefunden! Einfach ohne einen Mantel in den Regen hinaus zu rennen!? Kind was habt ihr euch dabei nur gedacht?!“ Sie drückte Amicia an sich und wollte ihr den nassen Umhang abnehmen, doch hielt sofort inne, als sie den gerissen Stoff sah. „Du liebe Güte, Kind…. Du liebe Güte! Oh… du…. Nein!“ vor lauter Aufregung überschlug sich die Stimme der Frau und sie wedelte sich mit der Hand Luft zu. „Beruhigt Euch Frau van Brem, es ist alles in Ordnung. Niemandem ist etwas passiert!“ sagte Kirios, wobei seine Stimme einen sehr beruhigend Klang hatte. „Ja? Nun… wirklich, alles in Ordnung? Nun sagt schon meine Liebe!!“ Sie wedelte sich immer noch Luft zu und sah Amicia mit aufgerissenen Augen an. „Ja, doch!“ entgegnete Amicia und versuchte sich etwas weg zu drehen, während Frau van Brem sie genau unter die Lupe nahm, als wollte sie noch einmal prüfen, ob Amicia wirklich nicht verletzt war. Nach einem kurzen Moment räusperte sich Kirios und beugte sich leicht zu Frau van Brem herunter: „Ähm Frau van Brem… wir haben Besuch… und wir sind pitschnass. Wenn ihr so freundlich wären, den Damen zu helfen? Ich werde derweil Tee vorbereiten, mit eurer Erlaubnis?“ „Mein Junge, ich habe dir doch schon tausend mal gesagt, das du mich Betty nennen sollst!“ sagte Sie und stemmte die Arme in die Hüfte. „Verzeihung, Betty! Es wird gewiss nie wieder vorkommen!“ sagt er und lächelte sie äußerst charmant an. „Momentchen… Besuch?!“ stieß Betty so aufgeregt aus wie zuvor. Nun fiel ihr Blick zum ersten mal auf Tiriana. „Oh, herzlich willkommen Liebes! Ich bin Babette van Brem, die Hausangestellte von Herrn Falkenbach. Aber sag einfach Betty zu mir!“ stellte sich Betty vor und versuchte sehr, sehr förmlich zu klingen. „Ähm… Tiriana Arandur aus ähm… Aspio….“ erwiderte Tiriana schüchtern. Betty blickte mit einem breiten grinsen zu Kirios und Amicia. „Oh endlich habt ihr sie hergebracht! Das wurde ja auch Zeit!“ Betty sah wieder zu Tiriana herüber: „Hocherfreut, meine Liebe! Ihr seid wirklich hübsch. Das euer Vater gleich zwei so hübsches Mädel hinbekommen hat! Respekt! Ich habe den beiden vor Wochen schon gesagt: Kinder! Lasst keine Zeit verstreichen!“ Betty lachte schrill. Tiriana sah mit einer Mischung aus Schüchternheit, Verwirrung und Unsicherheit zu Kirios hinüber. Grade als Betty weiterreden wollte unterbrach sie Kirios und flüsterte ihr zu: „Bitte Betty, ich würde es nicht wagen euch zu Unterbrechen, doch uns blieb bislang keine Zeit für Erklärungen. Ihr werdet sie noch ganz verwirren!“ „OH! Verzeiht einer alten Frau Liebes! Folgt mir, wir werden euch im Nu trocknen!“ Tiriana folgte Betty in ein kleines Gästezimmer, die Hausdame brachte ihr ein eine Schale mit warmem Wasser zum waschen, ein paar Handtücher. Betty verschwand mit Tirianas nasser Kleidung und kehrte eine ganze weile später wieder zurück. „Entschuldigt, das ihr warten musstet, Liebes.“ Sie legte Tirianas Sachen auf dem Gästebett ab. „Der junge Herr Kirios und das junge Fräulein Amicia erwarten Euch.“ Tiriana trat hinter den Paravent, der in der Zimmerecke stand und zog sich an. „Fräulein Tiriana, ich wollte mich für mein Geschnatter entschuldigen. Wenn ich euch verwirrt habe tut es mit sehr leid! Auch wenn, das Junge Fräulein, der junge Herr und ich nicht dem gleichen Volk angehören, bedeuten sie mir viel.“ sagte Betty und klang dabei recht kleinlaut. Tiriana blickte hinter dem Paravent hervor. „Nicht doch! Es gibt nichts für das ihr euch entschuldigen müsst! Ich bin froh, das sich eine so gute Seele um die beiden kümmert!“ Betty lächelte. „Die habt ihr doch auch! Eine gute Seele, meine ich… die Leute erzählen sich davon, das ihr durch die Straßen zieht und helft!...“ Betty machte eine kurze pause. „Das die beiden den Gefallen angehören änder gar nichts für mich. Fräulein Amicia mag ihre Launen haben, aber sie ist ein gutes Kind! Vielleicht braucht sie ja auch etwas von der Hoffnung die ihr dem Volk auf den Straßen schenkt!“ Es kostete Betty mühe nicht zu schluchzten, doch Tiriana trat einfach an sie heran und umarmte die kleine Frau. „Ja, ich glaube auch, das man Amicia sehr lieb haben kann!“ flüsterte sie leise.
  14. ~~oOo~~ Tumult auf den Gassen ~~oOo~~ Es regnete… wie an so vielen Tagen der letzten Zeit. Tiriana Arandur blickte mit von Sorgen zerfurchter Stirn zum Himmel auf. >> Es ist als wollte der Himmel gar nicht mehr aufhören wollen zu weinen… kein Wunder bei dem was hier in Aramat geschieht! << Sie zog die Kapuze ihres Umhangs tiefer ins Gesicht und schob ihre Umhängetasche etwas weiter unter den Umhang. In den letzten Wochen hatte sich die Situation in Aramat weiter und weiter verschlechtert. Es gab scheinbar keinerlei nennenswerte Entwicklung bei den Ermittlungen der Untersuchungskommission zum Ratsfall – ganz als wollte jemand verhindern, das die Ermittlungen fortschritten. Es geschah einfach nichts…. Ebenso bei den Maßnahmen gegen den immer offenkundiger werdenden Hass gegen Gefallene… Gefallenen die niedrigsten Stellungen im Dienste des Rates anzubieten, während andere bedienstete und verbeamtete tuschelten, mit den Fingern auf sie zeigten und sich anderweitig schäbig in ihrer Gegenwart benahmen….. brachte gar nichts! Auch der in der letzten Ratssitzung beschlossene Erlass, die Schreiber von Hetzschriften ihrer Stellung zu entheben… So sehr sich Tiriana bemühte etwas gutes an dem Erlass zu entdecken… sie glaubte einfach nicht daran, das diese Leute durch Drohungen ihre Ansichten änderten, zur Vernunft kamen oder gar bereuen würden, was sie verbreitet hatten. In diesem Moment führte sie ihr Weg an einer Bretterwand vorbei, an der ein Pergament mit einem Aufdruck des Erlasses angeheftet war. Wort für Wort las sie die Zeilen. >> Es wird weiter Hass schüren, diese Schreiber werden nichts mehr zu verlieren haben, wenn sie ihre Arbeit verlieren und ihre Familien nicht mehr ernähren können. Es ist als würde man einer Distel nur die Blüten abrupfen, anstatt sie bei der Wurzel zu packen und ein für allemal aus zu reißen.<< dachte sie und legte die flache Handfläche auf das Stück Pergament. Tiriana spürte wie die Wut in ihr aufkam… während sich der Hass in die Köpfe der Leute hineinfraß, wie einst die Verderbnis sich in das Land gefressen hatte… beschäftigten den Rat nur so wichtige Fragen wie: „Darf eine Wache im Ratssaal eine gezogene Waffe mitführen?“ „Dummköpfe… einer wie der andere!“ zischte sie kaum hörbar und riss das Pergament von der Wand. Einen Sekundenbruchteil später schallte ein spitzer Schrei durch die Gasse. Tiriana wirbelte herum, legte die Hand an das Heft ihres Schwertes und rannte ohne eine Sekunde zu zögern in die Richtung aus der der Schrei gekommen war. Einige Meter die Straße runter standen zwei bullige, Lederrüstung tragende Mittelländer mit dunklem, struppigen Haar. Sie hatten eine junge Frau mit schneeweißem Haar an eine Handwand gedrängt. „Nun stell dich nicht so an Süße! Sei zu mir und meinem Kumpel ein bisschen lieb, dann werden wir sehen, ob wir dir deine Unverschämtheiten durchgehen lassen können.“ sagte der größere von beiden und grinste dreckig. „Niemals ihr stinkenden Holzköpfe! Verschwindet! Sofort!“ keifte die Frau energisch. „Meinst du das lohnt sich Fred? Sie ist so dürr und Brüste hat sie auch keine! Schau!“ der andere packte die Frau bei den Schultern und mit einem Ruck zerriss der Stoff ihres blauen Kleides. „Du widerlicher Dreckskerl! FASS MICH NICHT AN!“ schrie die Frau und schlug ihm Schwungvoll die Faust gegens Kinn. „Miststück!!“ knurrte er und verpasste ihr mit seinen dicken Wurstfingern eine schallende Backpfeife. In diesem Augenblick erreichte Tiriana die Szeneserie. „SOFORT AUFHÖREN!“ rief sie im Befehlston! Die Kerle drehten sich zu Tiriana herum. „Haltet Euch aus unseren Angelegenheiten!“ bellte der größere Kerl. „Die Dame verlangte von Euch, das ihr sie loslasst!“ sagte Tiriana ruhig, jedoch mit bedrohlichem Unterton. „An Eurer Stelle würde ich dieser Bitte unverzüglich nachkommen!“ fuhr sie fort und zog ihre Klinge ein Stück weit aus der Schwertscheide…. Und nahm Angriffshaltung ein. „Was regt ihr Euch wegen einer Gefallenenhure so auf?“ Tiriana spürte wie die Wut in ihr hochkochte…. „Meines Wissens nach ist Schändung immer noch eine Tat, die hart bestraft wird!“ Tiriana hatte nicht vor sich auf irgendeine Diskussion ein zu lassen. „Trefft eure Entscheidung rasch, meine Geduld mit Kerl euresgleichen ist zügig erschöpft!“ Die beiden Kerle sahen Tiriana erbost an. Dann stießen die Kerle die junge Frau beiseite, zogen ihre Schwerter und stürmten mit Kampfgeschrei vorwärts. Unter dem ersten Schlägen duckte sich Tiriana weg, den nächsten wich sie gekonnt aus. Sie wusste. bei der Wucht mit der die Klingen ihrer Gegner nur knapp an ihr vorbei surrten, würde sie es kaum schaffen zu parieren. Doch auch wenn diese Kerle ihr was die bloße Körperkraft betraf weit überlegen waren, so machte sie ihre Kraft gleichsam unbeweglich und träge. Wenige Momente später sah sie ihre Chance als der Kleinere seine Deckung vernachlässigte. Sie sprang hoch in die Luft um ihm das Knie gegen seinen Kopf zu rammen. Doch mitten in der Luft packte der Größere ihr Bein und riss sie auf den Boden zurück. Tiriana schlug hart auf das Kopfsteinpflaster auf. Mit Schmerz verzerrtem Gesicht hievte sie sich rasch wieder auf die Beine. Doch nur Momente später traft sie ein Faustschlag in den Rücken und sie stürzte vor Schmerz ächzend wieder in den Dreck. „Das passiert wenn man für solch verdorbenen Abschaum Sympathie ergreift!“ knurrte der Große hämisch, trat an die am Boden liegende Tiriana heran und spuckte ihr triumphierend ins Gesicht. „Lasst Euch das eine Lehre sein!“ „Ihr Leben ist genauso Wertvoll, wie das jedes andern Menschen, Alven oder Steingeborenen auch!“ hauchte Tiriana angestrengt. „Du Miststück willst immer noch widersprechen?“ knurrte der Große, packte Tiriana am Kragen und zog sie ein Stück weit zu sich hoch. „Was ist hier los?“ Tiriana sah aus dem Augenwinkel, wie ein junger Mann mit langem, weißen Haar und einem langen, blauen Mantel auf die Szenerie zu rannte. „Noch mehr Dreck auf den Straßen, hmm?!“ maulte der Große. Der Fremde hob seine Arme und fixierte den Kleinen mit seinem Blick. „Kirios! NEIN!“ schrie die junge Frau hysterisch. Einen Moment lang sah der Große verwirrt zu dem Fremden. Tiriana nutzte seinen Moment der Unachtsamkeit. Blitzschnell zog Tiriana den Dolch, den sie unter dem Umhang versteckt gehalten hatte, warf sich mit aller Kraft auf den Kerl, der das Gleichgewicht verlor und stürzte. Sie hockte über ihm und presste die geschwungene Klinge des Dolches gegen seinen Hals. Als er realisierte was sie tat verharrte er stocksteif und sah sie mit geweiteten Augen an. „Ihr werdet verschwinden und bereuen was ihr hier heute getan habt! Habt ihr das verstanden?!“ zischte Tiriana und sah ihn mit stumpfer Entschlossenheit an. Der Kerl biss zornig die Zähne aufeinander und schnaufte. In der Zwischenzeit hatte der Kleine die junge Frau am Arm gepackt! „Lass ihn los Schlampe, sonst… sonst… ergehst der Hure schlecht!“ nervös fuchtelte er mit seiner Waffe in der Luft herum. Kirios hob erneut die Arme und abermals kreischte die junge Frau ein: „NEIN Kirios!“ hervor. Tiriana fixierte weiter den Großen und presste ihren Dolch so fest gegen ihn, das es schmerzhaft sein musste. „Habt ihr das verstanden!?“ wiederholte sie und zwang sich, dabei kalt und abgebrüht zu klingen. Der Große jaulte auf. „Ja doch! Lass sie los wir verschwinden!“ brüllte er keuchend seinem Freund zu, welcher verwirrt zwischen Kirios und Tiriana hin und her blickte. „Mach schon du Hornochse!“ brüllte der Große. Der Kleine tat wie ihm befohlen, er ließ die junge Frau los und entfernte sich ein Stück! „Lasst Euch das eine Lehre sein!“ zischte Tiriana dem Großen zu und stieß ihn dann von sich weg. Er fluchte leise in sich hinein, rappelte sich auf und beide entfernten sich rasch ohne noch einmal zurück zu blicken. „Amicia! Bei Durae, was ist geschehen?!“ rief Kirios. Tiriana hatte sich aufgerappelt und war zu der jungen Frau, die wie erstarrt am Boden kauerte gehumpelt. Sie nahm ihren Umhang ab, und legte ihn der Frau fürsorglich um die Schultern. „Amicia…? Das ist ein schöner Name!“ In dem Moment schloss der junge Mann zu den Beiden auf. Er schien Tiriana sofort zu erkennen und deutete eine Verneigung an. Tiriana lächelte und blickt dann wieder zu Amicia. „Ich hoffe ihr seid nicht schlimm verletzt?“ Sie streckte ihre Hand aus um Amicias Haar an der Stelle beiseite zu streichen, wo der Dreckskerl ihr die Backpfeife verpasst hatte. Doch die Amicia schlug Tirianas Hand weg. „Erwarte bloß nicht, das ich mich bei dir bedanke, Schwester!“ zischte sie. Amicia hob den Blick und zum ersten mal sahen sie und Tiriana sich direkt in die Augen. „Schwester?!…“ verwirrt hatte Tiriana einen Moment lang das Gefühl in einen Spiegel zu blicken. „Jawohl ehrenwertes Ratsmitglied, dies vor Euch ist Darion Arandurs zweite Tochter Amicia Arandur. Eure jüngere Schwester…“ „Meine Schwester….“ wisperte Tiriana. Die Worte sickerten langsam in ihren Verstand. Tropfen für Tropfen… für Tropfen… für Tropfen…
  15. ~~oOo~~ Ein Licht auf den Gassen ~~oOo~~ (~vorangegangen~) Es war ein Tag wie jeder andere in Aramat. Der Himmel war bedeckt und die Luft schmeckte nach Regen. Geschäftiges Treiben herrschte auf den Straßen. Händler priesen Waren an und machten Geschäfte. Handwerker und Arbeiter gingen ihrem Tageswerk nach, Boten huschten flinken Schrittes von einem Ort zum andern. Stimmengewirr, Rufe, das Klappern von Karrenrädern und Pferdehufen auf dem Kopfsteinpflaster erfüllte die Gassen. Unweit der Tore zur Unterstadt lief eine alte Frau mit krummen Rücken zwischen den vorbeigehenden Passanten umher. „Eine Gabe! Edler Herr, eine Gabe für eine alte Frau!“ krächzte sie hervor und sah mit weit ausgerissenen Augen und flehendem Blick von einem zum anderen. Doch niemand nahm von der Alten große Notiz und jene die es taten sahen mit angewidertem Blick zu der Fahlländerin herab und murmelten Flüche oder Verwünschungen in sich hinein. Als sie sich an einen dümmlich dreinblickenden Kaufmann wendete, der hoch zu Ross die Straße entlang ritt und ihn anflehte, befahl er seiner Eskorte die Alte zu vertreiben. „Zurück mit dir unter die Erde zu deinesgleichen! Widerliche, alte Krähe!“ schimpft er. Ein stumpf dreinblickender Nordmarer packte die Alte und stieß sie barsch beiseite, um seinem Herrn platz zu machen. Die Alte fiel zu Boden, wo sie wehklagend und wimmernd liegen blieb, während der Kaufmann seiner Wege ging. „Mütterchen, geht es Euch gut?!“ Die Alte hob den Kopf und sah in das Gesicht einer jungen Frau mit goldblondem Haar, die neben ihr kniete und sie freundlich anblickte. Sie half der Alten wider auf die Beine. „Habt Dank mein Kind, es geht gleich wieder… die alten Knochen wollen längst nicht mehr so wie früher…“ krächzte sie und lachte, was dann in ein Husten überging. „Wartet einen Moment hier.“ sagte die junge Frau. Neugierig beobachtet die Alte wie die junge Frau zu einem größeren Karren eilte bei dem 2 Männer warteten. Sie kramte etwas unter einer Plane hervor und kam dann zurück. „Es ist nicht viel und nichts besonderes doch vielleicht verleiht es euren Knochen etwas neuen Schwung!“ sagte sie und hielt der Alten ein Stück Brot und ein kleines Stück Käse hin. Die Alte beäugte das Essen mit gierigem Blick griff danach stopfte es hastig in einen schmutzigen Beutel und drückte ihn an sich wie ein Schatz aus purem Gold. „Habt Dank, Herrin!“ sagte sie, buckelte und verschwand flink wie ein Wiesel auf den Stufen zur Unterstadt hinab. Als die junge Frau wieder beim Wagen ankam, sah sie in die mürrischen Gesichter ihrer Begleiter. „Ganz schön flink für ein armes Mütterchen… So schlecht war sie wohl doch nicht dran!“ Die Frau warf ihrem Begleiter einen düsteren Blick zu und sprach ernst: „Deine Respektlosigkeit ist unangebracht, Denethor. Oder glaubst du es ist leicht auf der Straße zu stehen und zu betteln? Spott und Hohn zu ertragen… Gewalt zu erdulden...“ „Nein… ich denke… also…. Verzeiht, Löwin.“ murmelte er und wich ihrem Blick aus. „Soso… dann sprich nicht, ohne deinen Verstand zu bemühen!“ Ihr gegenüber schwieg peinlich berührt. Die Frau schlug die Decke zurück und hob einen Korb voller Äpfel herunter. Und winkte dann einer Schar Kinder zu, die seit einer Weile neugierig zum Karren hinüber schielten und erwartungsvoll die Hälse reckten. „Kommt schon!“ rief sie ihnen zu und kaum einen Moment später war sie umringt von ärmlich gekleideten, blassen und mageren Kindern, deren Augen beim Anblick der Äpfel strahlten wie Sterne. Als der Korb leer und die Kinder wieder in den Gassen verschwunden waren zog die Löwin mit ihren Gefährten weiter die Gasse entlang. Immer wieder machten Sie halt. Die Löwin sprach mit den Leuten des einfachen Volkes, gab was sie auf dem Karren geladen hatte an Nahrung, Kleidung, Medizin und andere Sachen an jene die es am nötigsten hatten… völlig ungeachtet ob Alve, Steingeborener, Mensch oder Gefallener. Als sie einmal in der Nähe des Marktplatz halt machen bemerkte Maldur: „Löwin, wir sollten machen, das wir weiter kommen, den Händlern scheint nicht zu Gefallen was ihr hier tut. Sie tuscheln… das gefällt mir nicht. Normalerweise scheuchen sie die Bettler von ihren Ständen fort, weil Diebe fürchten oder schlechten Ruf… ihr lockt solche Leute mit eurer Güte her…“ Die Löwin warf ihm einen bösen Blick zu. „Nein! Sollen sie verärgert sein. Wir tun nichts verbotenes! Was ist den los mit dir und Denethor…? Ich dachte ich hätte die beiden besten Männer meiner Garden an meiner Seite… Doch ihr benehmt euch auch wie diese egoistischen Dummköpfe!“ Währen dessen kramte sie eine klein Flasche hervor und gab sie einer verunsichert dreinblickenden Frau mit leicht ergrautem Haar. „Hier, nehmt dies. 3 Tropfen in etwas warmen Wasser morgens und abends, dann wird der schlimme Husten eures Mannes hoffentlich bald besser.“ „Mögen Euch die Götter schützen!“ hauche die Frau und lächelte dankbar ehe sie verschwand. Als die Löwin sich wieder dem Karren zuwandte, legte Maldur seinen Arm auf ihre Schulter. „Ich verstehe euren Willen dem Volk zu helfen. Ich bitte Euch nur bedächtiger zu sein! Seht Euch um! Schaut in die Gesichter der Leute hier… niemandem ist geholfen, wenn ihr den Ärger der bessergestellten auf Euch zieht… Wenn auch manche nicht mehr haben als ein großes Maul… der Frust des Volkes ist groß… der Hass gegen einfache Leute, Bettler und Gefallene hat sich gefestigt! Manchen Ortes sind die Leute mittlerweile zu allem bereit…!“ Die Löwin ließ den Blick über den Platz wandern… Neben vielen verwirrten und erstaunten Blicken erntete sie auch ebenso viele Gleichgültig, verärgert und angewiderte Blick. Während die Löwin noch nach Worten sucht um gegen Maldur anzusprechen, kam ein Grüppchen grimmig dreinblickender Männer auf den Karren zu. „Hey! Was sollen das hier werden, hä!?“ bluffte der fette, bärtige Kerl, der vor weglief in Maldurs Richtung. Seine Kleidung ließ darauf schließen, das er zu den Händlern gehörte. Maldur öffnete den Mund um etwas zu sagen doch die Löwin kaum ihm zuvor: „Hilfe für jene die sie benötigen!“ Der Händler sah die Löwin herablassend an. „Maul halten Püppchen, euch habe ich nicht gefragt!“ er wandet seinen Blick wieder Maldur zu und fuhr fort: „Ihr werdet Euren Karren hier wegfahren! VERSTANDEN!?! ….und dann will ich Euch hier auf unserem Markt nicht noch einmal dabei erwischen, wie ihr Plunder an Gesindel verteilt! Sonst! SONST!…..“ drohend fuchtelte er mit der Faust vor Maldurs Nase herum. Zustimmendes Gegröle kam von dem Männern hinter ihm. „Sonst was? Ich lasse gerne die Stadtwache herrufen, wenn ihr Drohungen aussprechen wollte?“ bluffte die Löwin zurück. „Habe ich nicht gesagt ihr sollt den Mund halten, Weibsbild! Welchen Tölpel nennt ihr Gatten, der euch nicht beigebracht hat eure Zunge zu hüten in Gegenwart eines Mannes!“ der Dickwanst holte zum Schlag gegen die Löwin aus. „Wagt es nicht!“ brüllte Maldur laut. Der Händler hielt verwundert inne und sah verdutzt zu Maldur, dessen Hand blitzschnell zum Stiel seiner Axt glitt. Doch die Löwin hob den Arm vor Maldur, um ihm zu bedeuten inne zu halten. Hecktisch, allerdings auch etwas perplex blickte der Händler zwischen Maldur und der Löwin hin und her… „Was ist nun? Soll ich nach der Wache rufen lassen oder nicht?“ fragte sie schnippisch und sah ihn ernst an. „Ich bleibe bei meinen Standpunkt! Und überhaupt wer seid Ihr, Kindchen, dass Ihr das Recht haben wollte die Wache zu rufen?!“ sage er entschlossen und schwang seine Faust wieder ihre Richtung. Die Löwin riss sich die Kapuze ihres Mantels vom Kopf. „Mitglied des Rats des Volkes von Aramat! Tiriana Arandur, die Löwin von Aspio!“ In dem Moment wurde der Händler etwas bleich um die Nase und blickte weiter zwischen Maldur und Tiriana hin und her…. „Schert euch hinfort!“ zische Maldur ihm zu. Zwei der Kerle aus dem Knäuel packten den Händler und zogen ihn zu seinem Stand zurück. Tiriana hörte ihn leise Verwünschungen murmeln, beließ es jedoch dabei. Maldur beugte sich zu ihr und flüstere: „Was habe ich euch gesagt!?! Das is nochmal gut gegangen, aber…..“ doch Tiriana schüttelte energisch den Kopf! „Nein Maldur! Kein Versteckspiel!“ „Aber….“ „Ich sagte: Kein Versteckspiel!“ Maldur seufzte er wusste das jede Diskussion längst vergeblich war.